Kein Wein ist auch keine Lösung

Wie die Weinindustrie mit kreativen Konzepten wieder Genuss und Geselligkeit schaffen möchte.


Die Welt steht auf dem Kopf. Die Corona-Krise hat auch auf die Weinbranche Auswirkungen. Feste, Veranstaltungen, Weinproben - alles abgesagt.

Aus Sicht der Winzer, Weinbauern und Arbeiter ist die Pandemie eine Katastrophe. Viele Arbeitsplätze sind weggefallen. Zeitweise war sogar der Export verboten.

Das haben auch Weinhändler in Deutschland gespürt. Versorgungsengpässe bei südafrikanischen Bioweinen von Stellar in Vredendal an der West Coast gab es etwa bei Udo Thiem von Best-of-Bioweine.de in Röslau im bayerischen Fichtelgebirge. Er betreibt einen Online-Weinhandel und bezieht ausschließlich Bioweine, u.a. aus der Kapregion. “Die Corona-Krise hat auch unser Geschäft beeinflusst. Wir bestellen unsere Weine direkt von der Farm. Bei den südafrikanischen Lieferungen gab es aufgrund des strengen Lockdowns deutliche Engpässe in der Versorgung.”


Qualität jetzt erst recht

Ob die Krise den Genuss verdirbt? Laut Thiem nicht in Deutschland. “Menschen lieben den Ausgleich. Viele haben jetzt erst recht die Spitzenweine bestellt. Und davon auch viele.” Warum auch nicht? Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein. Best-of-Bioweine.de und viele andere Online- Weinhändler in Deutschland haben aktuell weihnachstgeschäftsähnliche Absätze. “Die sulfit-freien Weine, insbesondere der Pinotage von der Stellar Winery sind aktuell der Hit”, sagt Thiem. Wer seinen Lieblingstropfen bei Udo Thiem noch ergattern konnte, hatte also Glück gehabt. “Kunden, die gerne Weine aus Südafrika trinken, insbesondere Pinotage, müssen sich ein wenig gedulden”, sagt Thiem. Der nächste Nachschub aus dem Weinland wird ab Ende Juni erwartet.


“Die sulfit-freien Weine, insbesondere der Pinotage von der Stellar Winery sind aktuell der Hit” bei Best-of-Bioweine.de

Auch Weinliebhaber in Südafrika warten geduldig. Genauer auf den 1. Juni. Dann sollen Bier, Schnaps oder Wein zu bestimmten Uhrzeiten und an bestimmten Wochentagen wieder erhältlich sein. Bars sollen allerdings weiterhin geschlossen bleiben. Restaurants werden Speisen nur zum Mitnehmen anbieten dürfen.


Drive-Through-System bei Weinverkauf in Somerset West

Genuss und Geselligkeit bei einem Gläschen Wein und Weinproben wie wir sie vor März 2020 noch kannten sind nicht in Sicht.

Deshalb arbeitet Wayne Coetzer, Manager von Vergelegen Wine Estate in Somerset West an neuen Konzepten. Gerne würde er Besuchern die neugeborenen Nguni-Kälbchen und die neue Fuchsfamilie zeigen, die sich inzwischen auf dem Weingut eingerichtet hat, doch für Gäste sind die Weingüter nicht offen. Auch die beiden Restaurants auf dem Weingut - Camphors und Stables - bleiben geschlossen. Er hat sich ein kreatives System für den Wein- und Essensverkauf einfallen lassen: “Wir haben eine Art Drive-Through geschaffen, bei dem die Kunden bis zur Tür unseres Weinverköstungsraums fahren können. Ein Mitarbeiter nimmt die Bestellung auf und der Wein und die Speisen werden direkt an das Auto gebracht und in den Kofferraum gelegt. Mitarbeiter und Kunde kommen nicht Berührung.”

An Spezialausrüstung, Masken und Sicherheitsabstand hat sich Vergelegen inzwischen gewöhnt. Wer in Somerset West wohnt, kann sich den Wein bei einem Mindestbestellwert von 12 Flaschen sogar bis vor die Haustür liefern lassen. 15 Prozent Rabatt auf alle Weine bietet Vergelegen im Juni an.

Ab 2. Juni verkauft Vergelegen Weine und Essen per Drive-Through- System

Auch Winzer Richard Duckitt vom Bellingham Weingut in Franschhoek fokussiert sich auf das Onlinegeschäft. Wer keine Direktabsätze habe, werde es schwer haben. Mit einem Online-Shop laufe es gut.

Wie auf Weingut Bellingham oder Verlegen arbeiten viele Weinfarmen nur noch ein paar Tage in der Woche. Mit Masken und Sicherheitsabstand. Ab Juni bieten viele Rabatt, der Wein muss verkauft werden.

Geisterweinproben boomen

Der Weintourismus wird neue Wege finden müssen, um die Kunden zu erreichen, denn Weintasting in Gruppen und spontaner Weinverkauf auf den Weingütern ist nicht möglich. In Deutschland etablieren sich aktuell virtuelle Weinproben. Die Kunden wählen den Wein im Online-Shop, er wird geliefert und dann findet das Treffen vor dem Bildschirm im Wohnzimmer statt.


Virtuelle Weinproben boomen in Deutschland

Laut Thiem bleibt der stationäre Handel zwar wichtig, in Zukunft funktioniere das aber nur in Kombination mit einem ergänzenden Online-Angebot. Dies hätten die Erfahrungen in der Corona-Krise gezeigt.

Heißer Tipp: Ob für eine gemütliche private Runde, ein besonderer Anlass oder eine Weinberatung, Deutschlands erste Sommelier und Weinberaterin Paula Bosch macht deine Weinprobe zu einem ganz persönlichen Erlebnis.

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© 2020 by Hanni Heinrich.

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