• Ida Katnic

Weltweite Sensation vor über 50 Jahren in Südafrika geglückt

Aktualisiert: Juli 2

Die menschliche Herztransplantation ist einer der größten Momente in der Geschichte der Medizin. Mit der ersten Herztransplantation wird Prof. Dr. Christiaan Barnard zum Medien-Star.


Dem Chirurgen Prof. Dr. Christiaan Barnard geling am 3. Dezember 1967 mit der ersten gelungenen Herztransplantation weltweit eine Sensation. Die Meldung vom gelungenen Eingriff am Kapstädter Groote Schuur Krankenhaus geht um die ganze Welt. Das US-Nachrichtenmagazin „Newsweek“ titelt „New hearts for old“, der Spiegel schreibt „Herz-Verpflanzer Barnard.“ Der unbekannte Mediziner wird über Nacht zum gefragten Experten. Er tritt in Talkshows und auf Galas auf.



Herzchirurg Christiaan Barnard


Geglückte Operation mit trauriger Folge

Als am Abend des 2. Dezember 1967 die Bankangestellte Denise Ann Darvall nach einem schweren Autounfall in das Groote Schuur Hospital eingeliefert wird, können die Ärzte nur noch den Gehirntod der 25-Jährigen feststellen und benachrichtigen ihren Vater. Der gibt den Körper für eine Organentnahme frei. Zeitnah leitet das OP-Team um den 45-jährigen Herzchirurgen Prof. Dr. Christiaan Barnard den

Eingriff am Herzen ein. Der Mediziner und sein 31-köpfiges Team entnehmen der Frau das Organ und bringen es ein paar Schritte weiter in den anderen OP-Saal, in dem bereits der 55-jährige Louis Washkansky liegt. Der Gemüsehändler ist schwer krank, leidet an Diabetes und hat bereits einige schwere Herzinfarkte hinter sich. Als das neue Organ eingesetzt wird, verpassten sie dem Herzen einen Elektroschock, so dass es anfing, wieder zu schlagen. Die mehrstündige Operation glückt und gegen 6 Uhr am Morgen ist die Sensation vollbracht. Allerdings stirbt Washkansky 18 Tage nach dem Eingriff an einer Lungenentzündung, da sein Immunsystem aufgrund der Medikamente zu geschwächt ist.


Einschätzung heute

Prof. Dr. med. Udo Boeken, Oberarzt der Klinik für Herzchirurgie und Leiter des Transplantationsprogramms am Universitätsklinikum in Düsseldorf, hat uns auf diese zwei Fragen aus seiner heutigen Einschätzung geantwortet.


Die Gesetze waren in Südafrika liberaler. Aber rein vom technischen Verfahren, waren Ärzte in den USA weiter als er.

  1. War das von Prof. Dr. Christiaan Barnard damals eine besondere Leistung?

Klar, war das damals was Besonderes. Tatsächlich ist in Kapstadt zum ersten Mal eine Herztransplantation geglückt. Vorher wurden woanders schon Nieren transplantiert. Beim Herzen hat es bis dato aus verschiedenen Gründen nicht geklappt, was aber weniger am Operationsverfahren selbst lag, sondern an den gesetzlichen Regelungen. So gab es damals kaum Menschen, die Organe gespendet haben und die Regelungen waren weltweit schwierig, so dass es schlichtweg zu wenig Spenderorgane gab. Also hat es Barnard quasi in die Hände gespielt, dass die Gesetze in Südafrika liberaler waren. Er hat die Chance im Dezember 1967 bekommen und genutzt. Aber rein vom technischen Verfahren, waren Ärzte in den USA weiter als er. In der Gesellschaft hat er hohes Ansehen bekommen, in medizinischen Kreisen waren die Reaktionen verhalten, da andere Mediziner, wie schon gesagt, in der Forschung weiter waren als er.


"Klar war das damals was Besonderes" sagt Prof. Dr. med. Udo Boeken, Uniklinik Düsseldorf

2. Wie hat sich seit 1967 in der Herz-Transplantationschirurgie geändert?

Der Patient von damals ist ja nach 18 Tagen gestorben, weil die Medikamente, die verhindern sollen, dass das Herz abgestoßen wird, einfach nicht da waren. Die Immunsuppressiva, die wir sie heute kennen und die das verhindern, kamen erst viel später - in den 1980er-Jahren. In Deutschland hat man Ende der 1960-Jahre auch einige Herztransplantationen durchgeführt, aber die Patienten haben im Schnitt nicht länger als 29 Tage gelebt. Also hat man zwischen 1970 und 1980 erstmal keine weiteren Transplantationen mehr durchgeführt, bis ab 1980 das Immunsuppressivum

Ciclosporin auf den Markt kam, was die Abstoßung dann verhindert hat. Von der Operationstechnik alleine, hat sich seit 1967 nicht viel geändert.

Ruhm und Ehre und ein bitterer Beigeschmack

Nach der geglückten Herztransplantation wird Prof. Dr. Christiaan Barnard schlagartig berühmt. Am nächsten Tag ziert sein Konterfei die Titelbilder aller Tageszeitungen auf der ganzen Welt. Er erhält bis zu 200 Fanbriefe am Tag und kommt dafür einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde. Während ihn die einen feiern, kritisieren ihn die anderen, dass ein Mensch durch Organspende möglicherweise zu früh für Hirntod erklärt wird. Während ihm Ruhm und Ehre zu Teil werden, wird die Leistung eines anderen Mannes nicht erwähnt. Und zwar die von Hamilton Naki. Der Mann der ursprünglich aus der Transkei stammt und in einfachen Verhältnissen aufwächst, hat maßgeblich zur Operation beigetragen und einen großen Teil der chirurgischen Arbeit geleistet. Er hat Barnard als labor- und operationstechnischer Assistent unterstützt und jüngere Chirurgen in die Operationsverfahren anhand von Tier-versuchen eingearbeitet. Da er dunkelhäufig ist, wird seine Bedeutung zum Gelingen der Operation, gerade Zeiten des Apartheimregimes unter den Tisch gekehrt.


Wer war Barnard?

Der charismatische Prof. Dr. Christiaan Barnard kommt am 8. November 1922 im südafrikanischen Beaufort West zur Welt. Er hat drei Brüder und stammt aus einer eher ärmlichen burischen Predigerfamilie. Nach der Highschool studiert Barnard an der Universität Kapstadt und der Universität von Minnesota Medizin und geht zur Fachausbildung in die USA, wo er unter anderem mit anerkannten Herzchirurgen an offenen Herzen operiert und sich mit den Techniken der experimentellen Herztrans-plantation vertraut macht. 1958 kehrt er nach Kapstadt zurück. Erst arbeitet er als praktischer Arzt, dann als chirurgischer Assistenzarzt am Groote Schuur Hospital. Danach wird er Direktor der „Medical School“ der Universität Kapstadt und mit 40 Jahren Professor für Thoraxchirurgie. Der begabte Chirurg führt verschiedene Herzoperationen durch. Nach der ersten Herztransplantation 1967 folgen 420 weitere. Barnard war dreimal verheiratet und hat mit jeder seiner Frauen zwei Kinder. Im Alter von 78 Jahren stirbt er 2001 an einem Asthmaanfall auf Zypern.


Die wahre Geschichte der ersten Herztransplantation filmisch umgesetzt

Der 90-minütige Dokumentarfilm „Hidden Heart“ von den Regisseuren Cristina Karrer und Werner Schweizer schildert die wahre Geschichte der ersten Herztransplantation. Der Film war ab dem 23. Oktober 2008 auch in den deutschen Kinos zu sehen. Zu Wort kommen hier unter anderem die Tochter von Barnard, die Kinder von Naki und eine damalige Anästhesieschwester. Ein Großteil des Films ist allerdings Archivmaterial und Fotos. Und einige Szenen wurden mit Komparsen nachgestellt.



Auf die Idee für den Film, erzählt die 59-jährige Journalistin, habe sie der südafrikanische Filmregisseur Dirk DeVilliers gebracht. Die Vorrecherche habe Monate gedauert. „Wir haben viel rumtelefoniert, sind nach Kapstadt geflogen und haben Vorgespräche geführt“, erzählt Cristina Karrer, die seit rund 20 Jahren in Südafrika lebt und für das Schweizer Fernsehen Reportagen dreht. Christiaan Barnard und Hamilton Naki seien zu dem Zeitpunkt bereits tot gewesen, so dass nur die Kinder als Interviewpartner diente.


Aus dem Filmarchivmaterial sind einige Originalinterviews von Barnard und Naki vorhanden, die Teil des Filmes sind. Hier äußern sich beide noch einmal über die Herztransplantation.


Prof. Dr. Christiaan Barnard sagt im Nachhinein über Hamilton Naki: „I gave him more and more to do and eventually he could do the heart transplant.“


Hamilton Naki erzählt stolz, dass er das Herz herausoperiert hat: „Look, I removed it (the heart). And now I was so happy, because the truth (about my position) was out.“


Der Patient Washkansky (über Prof. Dr. Barnard): „He is working enough. I get a second chance.“


Zum genauen Ablauf im OP-Saal sagt Karrer, dass es unmöglich wäre zu sagen, was genau zwischen den beiden Männern passiert sei. „Naki hat Barnard vor allem geholfen, die Methode zu perfektionieren. Vorher schon mit Hilfe von Hunden. Barnard hatte bereits damals bereits Arthritis in den Händen“, sagt sie.


Für das Land, sagt Karrer, sei es damals sicher gute Presse gewesen und man hätte es von Kapstadt nicht erwartet, was ihm einen „Boost“ gegeben habe. Zurecht habe Barnard den Ruhm und die Anerkennung für seine Vision und für das Unvorstellbare verdient.




Im Jahr 2004 wurde Prof. Dr. Christiaan Barnard hinter Nelson Mandela auf Platz 2 auf der Liste der 100 größten Südafrikaner aller Zeiten gewählt.



Heißer Tipp: Mit der ersten Herztransplantation gehört Christiaan Barnard zu den Superlativen Südafrikas. Wer jetzt neugierig geworden ist und die Atmosphäre nachempfinden möchte, kann einen Blick in den ehemaligen OP-Saal im Groote Schuur Krankenhaus werfen. Im Heart of Cape Town Museum kann der Raum per Buchung von 9 bis 17 Uhr besichtigt werden. Die geführte Tour kostet für Erwachsene R350, für Kinder R200. Die Karten müssen 48 Stunden vorher gebucht werden. Mehr Infos auf Heart of Cape Town Museum.


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© 2020 by Hanni Heinrich.

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