Youth Day in Südafrika: Der „Soweto Day“ erinnert jeden 16. Juni an den blutigen Aufstand

Am 16. Juni 1976 löste der Aufstand in Soweto eine landesweite Protestwelle gegen das Apartheidregime in ganz Südafrika aus.


Jedes Jahr am 16. Juni wird seit 1995 der sogenannte „Youth Day“ als nationaler Feiertag begangen. Früher hieß er auch „Soweto Day“ und soll an den blutigen Aufstand in Johannesburgs Vorort erinnern. Was als friedlicher Protest von Schülern an jenem Wintermorgen begann, endete mit einem mehrtätigen Straßenkampf, bei denen es mehrere Hundert Verletzte und zahlreiche Tote gab. Die Polizei beschuldige die Demonstranten mit Steinen geworfen zu haben und rechtfertigte

so den Einsatz von Waffengewalt. Grund für die Demonstration war die geplante Einführung von Afrikaans, der burischen Herrschaftssprache, als offizielle Unterrichtssprache. Die schwarzen Schüler sahen sich dadurch in ihren Bildungschancen beraubt, da sie diese Sprache kaum oder gar nicht beherrschten. Der Aufstand in Soweto löste Streiks der schwarzen Bevölkerung in ganz Südafrika aus und führte darüber hinaus, auch zu internationalen Protesten.


Hector Peterson Memorial and Museum
Hector Peterson Memorial and Museum

Hintergrund des Aufstandes

Der südliche Vorort Johannesburgs Soweto, bestand 1976 aus mindestens 28 Townships, in denen Schwarze lebten. Der Erlass des „Afrikaans Medium Decree“ aus dem Jahr 1974 sah vor, Afrikaans, die Sprache der Buren und des Apartheidregimes, als verbindliche Unterrichtssprache einzuführen, obwohl die meisten schwarzen Schülerinnen und Schüler diese Sprache nicht beherrschten und manche in der Oberstufe dadurch ihre Abschlussprüfungen in Gefahr sahen. Ein Schüler von damals erzählt, dass sie in der Grundschule in ihren Stammessprachen unterrichtet wurden seien. Gegen diese Ungerechtigkeit wollte sie damals kämpfen.


Verlauf des Aufstandes

Es war ganz normaler Mittwochmorgen, wie er es heute auch wieder ist, als sich

vor 45 Jahre eine Gruppe junge Menschen zu einem friedlichen Protestmarsch

zusammenfand. Die Demonstranten hatte ihn geplant, er war mit verschiedenen Leuten, wie einem Schuldirektor und einem Pastor abgesprochen und offiziell angemeldet. Ein Augenzeuge von damals erinnert sich, dass die Stimmung ausgelassen war.

Die Schüler, es sollen nach Schätzungen ungefähr 10.000 bis 20.000 aus 217 verschiedenen Schulen gewesen sein, marschierten zum Orlando-Station. Dort wollten sie sich versammeln und weiter zu den regionalen Büros der Abteilung für Bantu-Erziehung laufen, wo sie ihren Unmut den Behörden vorzutragen.

Dabei sangen sie Parolen wie „Seyuzeni Na“ was auf Zulu so viel bedeutet wie „Was haben wir getan?“ oder die Hymne „Nkosi Sikelel' iAfrika“ („Gott segne Afrika“), die heute die Grundlage für die Nationalhymne des demokratischen Südafrikas bildet. Sie hatten Plakate mit den Aufschriften wie zum Beispiel „Zur Hölle mit Afrikaans“, „Wir wollen kein Afrikaans“ und „Amandla awethu" („Macht dem Volk") dabei.

Hector Peterson Memorial and Museum Foto: Times Live
Hector Peterson Memorial and Museum Foto: Times Live

Als die Polizei dazukam, ändert sich die Stimmung schlagartig. Sie behauptete später, die Demonstranten hätten sie mit Steinen beworfen und sie haben sich nur gewehrt. Die Beamten feuerten Tränengeschosse auf die Schüler ab, die voller Panik in alle Himmelsrichtungen wegliefern. Dann ließen sie ihre Hunde auf sie los und es bracht das pure Chaos aus. Schätzungen zur Folgen, sollen über 5.000 Schüler an diesem Tag verhaftet worden sein. Manche davon wurden zu

Gefängnisstrafen verurteilt, andere gefoltert, umso die Namen der Anführer herauszufinden. Mindestens 23 Schüler sollen an diesem Tag ihr Leben verloren haben, darunter als erstes Opfer der Schüler Hastings Ndlovu. Aber das Bild des 12-jährige Hector Pieterson, wie er von einem anderen älteren Schüler, tot auf dem Arm wegetragen wurde, ging später um die ganze Welt. Verschiedene Augenzeuge erklären, dass der Junge an diesem Tag hätte gar nicht dabei sein dürfen, weil der Protestmarch eigentlich nur für die Oberstufenschüler geplant war.


Folgen des Aufstandes

Die Nachricht vom Aufstand in Soweto löste im ganzen Land Aufstände aus, bei denen Hunderte von Menschen starben. Viele Schüler streikten, schwarze Arbeiter legten ihre Arbeit nieder. Bei der Einführung von Afrikaans als Unterrichtsfach gab die Apartheidregierung nach. Die nächsten Jahre sollte noch schlimmer werden und Südafrika aufgrund seines Rassismus von anderen Staaten boykottiert werden.


Das „Hector Memorial and Museum“ in Soweto

Anfang der 1990er Jahre, also zum Ende der Apartheid, wurde in der Khumalo Street in Orlando West in Soweto, ein Memorial zum Gedenken an den verstorbenen Schüler Hector Pieterson erreichtet. Es liegt nicht weit von der Stelle entfernt, an der er damals gestorben ist. Es steht stellvertretend für diejenigen, die an diesem Tag gestorben oder verletzt wurden. Am 16. Juni 2002 wurde daneben das Museum eröffnet. Es zeigt eine bewegende Sammlung von mündlichen Zeugnissen, Bildern, audiovisuellen Darstellungen und historischen Dokumenten zu den Ereignissen von 1976. Die Exponate vermitteln Hintergründe zu den Gründen der Proteste und veranschaulichen, was in der Folgezeit geschah.

Heißer Tipp: Das „Hector Memorial and Museum“ (8287 Khumalo Street) in

Soweto, ist Montag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Infos dazu liest Du hier.


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