Tumi Katisi und ihr großer Traum vom Fliegen

Mit Ehrgeiz und eisernem Willen, hat es Boitumelo Katisi geschafft, ihren Traumberuf zur Pilotin zu verwirklichen. Sie ist eine der wenigen Pilotinnen in Südafrika und inspiriert auch Jugendliche, ihre Pläne zu verwirklichen.


Sich als schwarze Frau in einer Männerdomäne zu behaupten, ist kein leichtes Unterfangen. Die 28-jährige Boitmelo Katisi hat sich nicht unterbuttern lassen und ihr Ziel stets verfolgt. Durch ihren starken Willen hat sie es geschafft. Sie ist eine der wenigen schwarzen Pilotinnen in Südafrika. Von ihren Freunden wird Boitumelo Katisi Tumi genannt. Das bedeutet in ihre Muttersprache Setswana so viel wie Glück. Und den hatte die junge Frau auch. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen und ist in Pimville, einem Vorort bei Johannesburg aufgewachsen. Sie ist eine Kämpferin und hat alles dafür getan, ihren großen Traum vom Fliegen zu verwirklichen. Dafür hat sie selbst Sponsoren gesucht, die sie finanziell bei der kostspieligen Ausbildung subventioniert haben. Aber auch ihre Mutter, die sie alleine großziehen musste, weil der Vater die Familie verlassen hat, hat nach anfänglicher Skepsis ihre ehrgeizigen Pläne unterstützt. Heute ist Tumi so dankbar dafür, dass sie mit ihrem Projekt „Aviation Development in Africa“ andere Kinder helfen will, ihre Pläne zu verwirklichen.


Boitmelo Katisi hat sich durchgesetzt und ist eine der wenigen Pilotinnen in Südafrika.
Boitmelo Katisi hat sich durchgesetzt und ist eine der wenigen Pilotinnen in Südafrika.

Wie ist Dein Wunsch entstanden, Pilotin zu werden und wie hat Dein Umfeld darauf reagiert?

Als wir in der 10. Klasse eine Hospitanz machen mussten, bekam ich die Chance, die Zeit bei meiner Tante Mina am Flughafen zu verbringen. Dabei sah ich die Piloten in ihren Uniformen und mit ihrer unglaublichen Körperhaltung. Ihre Mützen waren auf dem Regal aufgereiht. Ich war davon so begeistert, dass ich mit 16 Jahren beschlossen habe, Pilotin werden. Meine Mutter war anfangs skeptisch, weil die Ausbildung so teuer ist und viele aus meiner Familie hatten ein bisschen Angst um mich, weil sie selbst Angst vorm Fliegen und von Flugzeugen haben.

Was hast Du dann alles dafür getan, um diesen Wunsch zu verwirklichen?

Meine Mutter wollte unbedingt, dass ich mich für Kurse an der Universität einschreibe, aber ich habe die Unterlagen versteckt und stattdessen nach Praktika in der Luftfahrtbranche gesucht und schließlich auch bekommen. Als ich 18 war, bekam ich eine Zusage für die Flugschule, aber wir konnten uns die Gebühren nicht leisten. Von meinem ersten Stipendium, habe ich mir eine Uniform gekauft und war sehr stolz darauf.


Um mir die Ausbildung, die ich zunächst Teilzeit begonnen habe, leisten zu können, schrieb ich Motivationsschreiben an über 100 Firmen und bat um finanzielle Unterstützung. Viele sagten Nein, aber einige halfen mir tatsächlich, wie z.B. eine große Supermarktkette und ein Hersteller von Armbanduhren. Er überließ mir eine Uhr für eine Verlosung. Das Geld vom Verkauf der Lose durfte ich behalten.


Dennoch musste ich die Ausbildung immer wieder unterbrechen, um Geld zu verdienen. Ich habe einen Teilzeitjob bei der Flugschule gemacht und an den Wochenenden im Flugbetrieb ausgeholfen und dort sogar ein paar Monate lang in der Marketingabteilung mitgearbeitet.


Pilotin Südafrika
Fliegen ist eine neue Ebene der Freude für Boitmelo Katisi.

Und so dauerte es etwas mehr als ein Jahr, bis zu meiner ersten Lizenz und mehr als drei Jahre, um meine Verkehrspilotenlizenz zu bekommen. Meine Ausbildung habe ich Ende 2018 abgeschlossen. Mein längster Flug war von der Flugschule hier, zwischen Johannesburg und Pretoria, mit dem zweimotorigen Baron nach Durban.


Ich würde gerne für South African Airline fliegen, wenn sich das Unternehmen erholt hat. ich kann mir auch vorstellen, Charterflüge zu machen und Geschäfts- und Privatjets zu fliegen.

Was fasziniert Dich am meisten am Fliegen?

Es ist einfach anders. Es ist ein neues Gefühl und die Tatsache, dass jeder Tag anders ist. Man ist nicht in einem Büro gefangen und macht jeden Tag das Gleiche, sondern das Fliegen ist wirklich jeden Tag anders, selbst, wenn man die gleiche Strecke fliegt.


Beim Fliegen vergisst man alle Probleme am Boden und konzentriert sich nur darauf, in der Luft zu sein und zu fliegen. Das ist für mich eine neue Ebene der Freude.

Gab es Rückschritte und hast Du jemals ans Aufhören gedacht?

Der größte Rückschlag war auf jeden Fall der finanzielle Aspekt. Pilotin werden zu können ist teuer, denn die Ausbildung dauert drei Jahre und ist kostspielig.

Die Ausbildung war nicht einfach und erforderte eine Menge Geduld, Engagement und Verständnis. Es gab Tage, an denen ich mich gefragt habe, ob ich in der richtigen Branche bin, aber ich habe weitergemacht, weil mich meine Ziele und Bestrebungen durch diese schwierigen Zeiten gebracht haben.


Ist es schwierig, in Südafrika Pilotin zu werden? Gerade als schwarze Frau und dann noch in einem männerdominierten Beruf wie Deinem?

Abgesehen vom finanziellen Faktor, ist es eine Herausforderung, in einer männlich dominierten Branche zu arbeiten. Und nicht nur das, die Luftfahrt ist außerdem von Weißen dominiert, so dass es eine Herausforderung ist, eine farbige Person dort zu sein. Man muss sich und seine Werte in dieser Branche ständig beweisen. Mir sind auch schon Leute begegnet, die weibliche Pilotinnen missbilligen, aber ich habe mich auf mich konzentriert und bin meinen Weg gegangen.

Es eine Herausforderung, in einer männerdominierten Branche zu arbeiten. Ich habe mich auf mich konzentriert und bin meinen Weg gegangen.

Um es als weibliche Pilotin zu schaffen, musst Du doppelt so hart arbeiten wie Männer, engagiert und motiviert an deinem Ziel festhalten und vor allem dabei, immer die Leidenschaft am Leben beibehalten.

Gab es Momente, in denen männliche Kollegen blöde Bemerkungen gemacht haben?

Das habe ich nie erlebt. Der einzige Hass, der mir entgegengebracht wurde, war von Leuten außerhalb der Luftfahrt, da ich so viel Unterstützung bekommen habe, als ich meine Ausbildung begann. Mein Fluglehrer und die anderen Flugschüler waren super unterstützend. Ich war damals das einzige Mädchen und die einzige farbige Person an der Loutzavia Flugschule, die zwischen Johannesburg und Pretoria liegt.

Ich habe gelesen, dass Du eine Organisation gegründet hast, um andere Kinder zu fördern. Worum geht es dabei?

Ich habe die Organisation „Aviation Development for Africa“, zusammen mit meinem Freund Joseph Lebitsa im Februar 2015 gegründet. Inzwischen bestehen wir schon aus 50 Freiwilligen, die nicht alle nur aus der Luftfahrt kommen, sondern auch aus anderen Industriezweigen. Wir konzentrieren uns auf die Sensibilisierung von Kindern aus benachteiligten und abgelegenen Gegenden, überwiegend dunkelhäutige Kinder. Wir gehen in Schulen und stellen Berufe in der Luftfahrtbranche wie zum Beispiel als Pilot, Fluglotsen, Flugbegleiter oder Luftfahrtingenieure vor und erzählen, welche Anforderungen dafür nötig sind. Meist sind es Kinder von der 8. bis 12. Klasse, aber wir haben auch Programme in Grundschulen gemacht, speziell für Schüler in der 7. Klasse. Wir sprechen uns mit den Lehrern und Direktoren ab.

Wir wollen jungen und ambitionierten Menschen helfen, in der Flugbranche Fuß zu fassen.


Unsere sekundäre Vision ist es, Sponsoren für diese Kinder zu finden, damit sie später in diesem Berufsfeld alles machen können, was sie dort interessiert – ob ein Studium oder eine Ausbildung. Im Programm nehmen wir jeden auf, egal, ob Jungen oder Mädchen. Wir haben auch schon einige Sponsoren, unter anderem von anderen Flugschulen oder großen Unternehmen wie z.B. Pick n Pay und McDonalds.

Was ist ein guter Rat, den Du damals bekommen hast?

Erinnere dich immer daran, warum du angefangen hast. Das hat mich durch wirklich harte und herausfordernde Zeiten meiner Ausbildung gebracht.

Eine Frau zu sein, bedeutet für mich… Kannst Du den Satz vervollständigen?

…von einem Ort mit vielen Herausforderungen zu kommen und immer wieder neuen Herausforderungen zu begegnen, auch, wenn man dachte, dass man glücklich ist. Man muss sich ständig beweisen und diese Herausforderungen meistern.


Mein Rat ist, einfach anzufangen. Wenn man aus Angst und Unsicherheit nichts wagt, wird man nie beginnen.

Was würdest Du anderen Frauen ans Herz legen, die an innerer Stärke gewinnen und sich auch selbstständig machen wollen?

Mein Rat ist, einfach anzufangen. Wenn man aus Angst und Unsicherheit nichts wagt, wird man nie beginnen. Es wird nicht einfach sein und man wird zwangläufig vor Herausforderungen stehen, aber entscheidend ist, wie die Person damit um-geht. Das wird ihre Zukunft bestimmten. Wichtig ist, anzufangen und es zu wagen.

Heißer Tipp: Weitere Infos über die Non-Profit-Organisation findest Du auf der Webseite aviationdevelopment.org.za

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