• Ida Katnic

Erneuerbare Energien in Südafrika: Stromausfälle als Antrieb

Während der Regierungszeit Zumas kam es zum Stopp des Ausbaus von Ökostrom, mit dem jetzigen Präsidenten Ramaphosa geht es in Südafrika wieder voran.


Die Strom- und Windenergie hat in Südafrika enormes Potenzial, aber die letzte Regierung hat wertvolle Zeit verstreichen lassen, um diese Ressourcen weiter auszubauen. Noch zu Zeiten des Ex-Präsidenten Jacob Zuma, wurde das 2011 gestartete Programm für erneuerbare Energien wieder auf Eis gelegt. „Drei Jahre lang herrschte kompletter Stillstand“, erinnert ich Ntombifuthi Ntuli, Vorsitzende des südafrikanischen Windenergieverbands (SAWEA). Einige Wind- und Solarparks wurden zwar zu seiner Zeit zu Ende gebaut, aber neue Großprojekte gestoppt. Und so wurde der Ausbau jahrelang nicht vorangetrieben, sondern stattdessen weiter auf Kohle- und Atomkraft gesetzt.


Durch den Präsidentenwechsel 2018 zu Cyril Ramaphosa kam wieder mehr Dynamik in die Sache. Im Sommer vergangenen Jahres kündigte das Department of Mineral Resources and Energy (DMRE) an, dass es beabsichtige, Vereinbarungen mit bestehenden unabhängigen Produzenten für erneuerbare Energien zu treffen, um 128 MW zusätzliche Energie aus diesen Quellen zu beschaffen. Der Plan der Regierung ist es, den Anteil von Ökostrom von jetzt 5 Prozent, bis zum Jahr 2030 auf 20 Prozent zu erhöhen. Und dass ist angesichts der aktuellen Lage dringend nötig, denn 2021 soll ein schlimmes Jahr in Sachen Loadshedding werden.


Was bedeutet Loadshedding?

Loadshedding bedeutet Lastabwurf, als das Abschalten von Netzlast zur Laststeuerung im Stromnetz. Es gibt insgesamt acht Stufen. Bei jeder Stufe wird der Strom jeweils mit Vorankündigung für 2,5 Stunden abgestellt. Je nachdem wie hoch die Strombelastung ist, entscheidet Eskom, welche Stufe gerade in Kraft tritt. Je höher die Stufe, desto häufiger sind die Stromabschaltungen. Ziel ist eine Stromentlastung bzw. Umverteilung.

Das Problem ist seit 2008 bekannt und nimmt zu. Bis zu Stufe 6 und 12 Stunden ohne Strom könnte der Bevölkerung bevorstehen, so die Prognose von Energieexperte Ted Blom.


Wie kam es zu Loadshedding?

"Ich habe den ersten Lastabwurf im Januar 2008 vorhergesagt, drei Tage später ist er passiert", sagt Ted Blom. Die ersten großen Blackouts gab es 2008 aufgrund von Kohlebeschaffungs-mängel durch korrupte Eskom-Beamte. Die Problematik hat sich dann in den darauffolgenden Jahren durch die Inkompetenz durch den Energieversorger Eskom verschlimmert. "Damit der Konzern das Problem in den Griff bekommt, müsste die Firmenführung, 5000 MW Strom importieren und gleichzeitig die alten und maroden Anlagen Instand setzen. Sie hat in der Vergangenheit zu viel versäumt", erklärt der Energieexperte.


Folgen für die Wirtschaft und die Zukunft für 2021

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind enorm. Durch die Versäumnisse sind in den letzten zwölf Jahren mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, da die Wirtschaft ohne Strom stillsteht. Und in diesem Jahr könnte das Problem mit Loadshedding noch schlimmer werden. Den die Zahlen, die mir als Experten von Eskom vorliegen, heißt das nichts Gutes. Sie wollen die geplante Wartung ver-doppeln, damit wird die verfügbare Leistung der Kohlekraftwerke um mindestens 8.000 MW reduziert. Zusätzlich zu den quasi normalen Ausfällen von 14.000 MW, erhöht sich so die Gesamtzahl der nicht verfügbaren Anlagen auf 20.000 MW. Das ist in etwa die Hälfte der Flotte. Wenn es zu einem Lastabwurf der Stufe 8 kommt, kann es passieren, dass der Strom an manchen Tagen für zwölf Stunden ausfällt.


Welche Folgen hat die Stromabstellung?

Rene Botha, Bereichsleiter von Business Partners Limited erzählt, welche Auswirkungen Loadshedding auf das Gaststätten- und Tourismusgewerbe hat:

"Viele Geräte sind während des Lastabwurfs nicht betriebsfähig, wie z.B.

Küchengeräte und Kaffeemaschinen." So kommt es dazu, dass Küchen nicht

betrieben werden können, auch wenn einige Geräte mit Gas funktionieren. Der Stromstoß beim Wiedereinstellen kann außerdem dazu führen, dass elektrische Geräte durchbrennen, was bei der Reparatur teuer werden kann. Benutzt ein Restaurant Generatoren, sind sie oft laut und tragen nicht gerade zu einer guten Atmosphäre bei den Gästen bei. Und beim Personal wirkt sich der Lastabwurf negativ aus, da es nicht alle Gästewünsche erfüllen kann. Lebensmittel können schneller verderben und die Sicherheit ist durch die Abschaltung von Brandschutzsystemen gefährdet.


Umsatzeinbußen in der Gastronomie

Vor allem in der Gastronomie sind Umsatzeinbußen hoch. Viele Leute gehen während des Loadsheddings nicht in Restaurants und Cafés. Dadurch werden weniger Umsätze in Restaurants, Touristenshops und bei anderen Dienstleistungen gemacht.

"Der Lastabwurf hat sowohl Auswirkungen auf die Kosten als auch auf den

Komfort, erklärt Botha. "Und die Unvorhersehbarkeit von den Ausfällen schafft ein Problem, da Unternehmen nicht lange im Voraus planen können."


Unternehmen arbeiten an Lösungen

Viele Unternehmer haben in alternative Energiequellen investiert, die zusätzliche Gebühren erfordert haben. Generatoren sind nicht gut für die Klimabilanz und sind keine dauerhafte Lösung des Problems. Andere Ideen, sind die Menüauswahl auf den Speisekarten einzuschränken oder auf Gas umzustellen. "Da wir uns in einem sonnenverwöhnten Land befinden, sind Solarsysteme auf jedem Fall eine Lösung, die zu Beginn allerdings erst einmal kostspielig sind', sagt Rene Botha.


Mit erneuerbaren Energien werden außerdem mehr Arbeitsplätze geschaffen.
Mit erneuerbaren Energien werden außerdem mehr Arbeitsplätze geschaffen.

Was südafrikanische Geschäftsleute dazu sagen

"Wir müssen die Zahl der Gäste während des Loadsheddings begrenzen. Wir rechnen mit etwa 30% Verlust pro Gast, da wir Kaffee und manche Getränke dann nicht anbieten können", sagt Nicolette Fouche, Inhaberin des Restaurants Transkaroo.


"Wenn der Strom weg ist, stellen wir mehr Kerzen in den Toiletten, Gängen und der Küche auf. Wir kochen mit Gas, aber generell erschwert Loadshedding in vielen Lokalen den Betrieb", sagt Matteo Santini, Mitinhaber von „The Woodlands Eatery.“


Die V&A- Shopping-Mall an der Waterfront, hat bereits 2008 auf Notfall-

Generatoren umgesattelt, die dafür sorgen, dass die Besucher den Stromausfall gar nicht mitbekommen. „Wir haben eine synchrone Umschaltung, was beutet, dass das Starten und Stoppen unserer Generatoren mit dem Stromnetz synchronisiert ist“, erzählt der PR- und Kommunikation-Manager, Donald Kau. Der Nachteil sei, dass hin und wieder einer ausfallen und dass die Generatoren ziemlich viel Diesel verbrauchen würden, was sich negativ auf die CO2-Bilanz auswirke.


Marode Kohlekraftwerke und Südafrika als Beispiel für die Energiewende

Die Energiewende sollte also dringend erfolgen, auch, weil Kohle- und

Atomkraftwerke bald ausgedient haben Viele werden in den nächste zwanzig Jahren das Ende ihrer Laufzeit erreichen und selbst die beiden neusten, Medupi und Kusile werden voraussichtlich bis 2041 vom Netz genommen. Auch die Laufzeit des Atomkraftwerks Koeberg bei Kapstadt wird ungefähr zu diesem Zeitpunkt enden. Also ist eine Energiewende unvermeidbar. Professor Christian Breyer von der Universität Lappeenranta in Finnland, ist Experte für Solarwirtschaft und beschäftigt sich seit Jahren mit erneuerbaren Energien in Südafrika. Dabei vertritt er eine klare Meinung. „Südafrika ist eines der relevantesten Länder in Afrika für die Energiewende und ein Land, das anderen den Weg weisen kann“, sagt er.


Warum ist Südafrika so gut für erneuerbare Energien geeignet?

Südafrika verfügt über hervorragende Ressourcen an erneuerbaren Energien. Solarenergie ist im ganzen Land in sehr guter Qualität verfügbar und die Ressource ist über das Jahr hinweg nahezu stabil, viel besser geht es nicht. In mehreren Teilen Südafrikas sind auch die Windressourcen perfekt, zum Teil an den Küstenlinien, aber auch innerhalb des Landes. Solarenergie ist heutzutage die kostengünstigste Stromquelle, zu der die Menschheit Zugang hat, wie die Internationale Energieagentur kürzlich feststellte. Mit erneuerbaren Energien ist Südafrika auf der Sonnenseite des Lebens.

Könnte Südafrika seinen gesamten Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken, wenn es die entsprechende Infrastruktur wie Solaranlagen und Windräder hätte?

Laut Professor Christian Breyer sieht es gut aus. Der gesamte Energiebedarf jetzt und in Zukunft könne sehr gut gedeckt werden. Eine sehr kostengünstige Energieversorgung könnte als Anreiz für neues und zusätzliches Wirtschaftswachstum genutzt werden. Kostengünstige Energie war in der Vergangenheit wichtig für die Industrie und wird es auch in Zukunft sein, aber jetzt basiert kostengünstige Energie auf erneuerbaren Energien, hauptsächlich Solar- und Windenergie. Südafrika kann sich einen Vorsprung verschaffen, der auf kostengünstiger erneuerbarer Energie basiert.


Wie sieht es mit der Finanzierung solcher Anlagen aus?

Der Strom aus neuen Solar- und Windkraftanlagen ist heute günstiger als der aus neuen Kohlekraftwerken. Mit erneuerbaren Energien werden außerdem mehr Arbeitsplätze geschaffen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Großteil der Investitionen innerhalb Südafrikas, das im Prinzip ein reiches Land ist, aufgebracht werden könnte. Die Rendite könnte recht gut sein. Seit einigen Jahren sind unabhängige Stromproduzenten aktiv, so dass langfristige Stromabnahmeverträge mit privaten Investoren abgeschlossen werden. Auf diese Weise finanzieren die privaten

Investoren alle Investitionen und das Geld kann innerhalb Südafrikas oder aus Fonds außerhalb Südafrikas stammen.


Solar- und Windkraftenergiegewinnung und lokale Hersteller

In Südafrika gibt es bereits zahlreiche Produzenten für Solar- und Windenergie. Eine Firma für Solarpanels, ist der lokale Hersteller ARTsolar in Durban. Er stellt Solarmodule her und führt Installationen durch. Zu seinen Kunden zählen gewerbliche Betreiber wie Besitzer von Fabrikanlagen, Supermärkten, Einzelhandelsgeschäften und Bürogebäuden, aber auch Privatleute und unabhängige Stromproduzenten.


"Das Interesse an erneuerbaren Energien ist groß“, freut sich der Geschäftsführer Viren Gosai. Gerade die schlechte Stromversorgung und der Lockdown hätten dazu geführt, dass sein Geschäft stetig wachse. Er schätzt, dass der Absatz an Solarmodule in den vergangenen Jahren um ungefähr 15 bis 20 Prozent gestiegen sei.


„Die Stromausfälle sind für meine Kunden die Hauptmotivation eine Fotovoltaik-anlage zu installieren. Während in Deutschland der Treiber für erneuerbare Energien der Klimawandel ist, ist es hier die Energiesicherheit“, erzählt Gosai.


Die Panels müssten, so Gosai, in regelmäßigen Abständen gereinigt werden. Diese Intervalle richten sich nach dem Standort, dem Wetter, der Neigung der Panele und der Montagestruktur der Anlage.


Konstanter Wind und viele freie Flächen

Südafrika setzt aber nicht nur auf Sonnenenergie, sondern auch auf Windkraft. Im Land gibt es inzwischen über 30 Windparks. Der erste große Windpark wurde 2014 in Betrieb genommen. Seitdem kommen immer neue dazu. Die meisten entlang der Küste am Ostkap. Das Potenzial dafür ist riesig, da der Wind ist in dieser Region

kräftig und beständig bläst und es hier viele weite und leere Flächen gibt.

„Diese Windparks sind in Besitz von privaten Investoren. Die Wartung und

Instandhaltung von Solar- und Windkraftwerken kostet viel weniger als bei einem Kohlekraftwerk. Darüber hinaus, sind die Brennstoffkosten billiger, denn Wind und Sonne sind kostenlos, aber Kohle kostet Geld“, sagt Karin Kritzinger vom Zentrum für Erneuerbare und Nachhaltige Energien an der Universität Stellenbosch.


Ihre Hoffnung ist es, dass es für die Zukunft Südafrikas, einen beschleunigten Übergang zu einem grünen Netz und grünem Strom geben wird, der dann auf gerechte und faire Weise verteilt wird. Und dass zu einem Preis, der für die Wirtschaft erschwinglich ist und keine schwachen Gruppen zurücklässt.


„Die Abkehr von der Kohle sollte nicht nur auf dem Aspekt der Kosten basieren, sondern auch auf anderen Gründe, wie der Luftverschmutzung,“, sagt Kritzinger.

Was sagt der Windenergieverband zu den Erfolgen in der Energiewende?

Die Vorsitzende des südafrikanischen Windenergieverbands (SAWEA), Ntombifuthi Ntuli freut sich, dass es in den kommenden Jahren, nach der Energiekrise 2019, zu einem Wachstum im Sektor der erneuerbaren Energien in Südafrika kommen wird.

„Wir erwarten, dass es 2021 ein Wiedererwachen des Windenergiesektors geben wird. Bis 2030 sollen jährlich bis zu 1,6 GW Windkraft erzeugt werden“, sagt sie.

SAWEA als Berater für Investoren und Vermittler zur Politik

Weiter sagt Ntuli, dass die Windindustrie von der Politik angetrieben wird und

dass es deshalb für die Branche wichtig sei, sich strategisch auf weiterhin in den

politischen Dialog einzubringen, in dem sie immer wieder die Vorteile dieses Bereichs, wie die niedrigen Kosten der Windenergie und die sozioökologischen Vorteile hervorhebt. Außerdem versorge der Verband potenzielle Investoren, die sich in den südafrikanischen Windenergiemarkt einsteigen wollen, mit relevanten Informationen.

Energiemix der nächsten Jahre bringt Vor- und Nachteile

Südafrika, erzählt die Vorsitzende weiter, habe einen Ressourcenplan für die

kommenden zehn Jahre, der vorsieht, dass die Energie aus Kohlekraftwerken heruntergefahren und dabei gleichzeitig die der erneuerbaren Energien für den Energiemix deutlich verstärkt werden sollen. Die neusten Technologien in diesen Bereich bieten viele Möglichkeiten für relativ geringe Kosten. Allerdings gebe es auch eine Lobby dagegen, die sich weiterhin für konventionelle Technologien einsetzt, um die Arbeitsplätze in den Kohlekraftwerken zu stärken und die Wirtschaft

in den Regionen mit den Werken zu sichern. Einen breiten Konsens gebe es nicht.


Heißer Tipp: Willst Du wissen, wann Loadshedding bevorsteht, lade Dir kostenlos die EskomSePush App aufs Handy. Solltest Du dann von Loadshedding betroffen sein, raten wir Dir, Dein Handy, Deinen Laptop, Dein Tablet oder Radio rechtzeitig aufzuladen. Damit Du abends nicht im Dunkeln sitzt, achte darauf, dass Du immer genug Batterien für Deine Taschenlampe da hast und besorg Dir ein paar Kerzen. Und hab immer genug Bargeld dabei, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht funktionieren.


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