• Ida Katnic

Rooibos: Exportschlager aus Südafrika

Aktualisiert: Mai 31

Der Rooibos wird auch als „rotes Gold Südafrikas“ bezeichnet. Nirgendwo sonst auf der Welt, als in den Bergregionen am Westkap, ist dieser Strauch, aus dessen Blättern und Zweigen vor allem der Tee hergestellt wird, beheimatet.


Neben Gin und Wein, ist der Rooibos das Exportgut aus Südafrika. Laut dem südafrikanischen Rooibos-Rat (SARC), einer unabhängigen Organisation, die Bauern, Verpacker und Markeninhaber vertritt, sind in Südafrika mehr als 5.000 Menschen in der Rooibos-Industrie beschäftigt. Jährlich werden um die 14.000 Tonnen produziert. Er ist weltweit durch sein mildes Aroma und seine natürliche Süße sehr populär und wird von Kapstadt aus in die ganze Welt verschifft. Heute werden mindestens 50% des in Südafrika produzierten Kräutertees in über 30 Länder exportiert, hauptsächlich nach Japan, den USA, Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden.


Der natürlich süße Tee gilt als eines der Nationalgetränke Südafrikas und wächst nur in den Zederbergen. Dieses Gebiet wird auch als Kap-Faltengürtel bezeichnet. In den Tälern des Olifants, der Breede und des Hex Rivers gibt es über 300 Teefarmen, die sich auf die Kultivierung der Pflanze und den Anbau von Rooibos spezialisiert haben. Die Plantagen liegen um die Ortschaften Clanwilliam und Citrusdal herum. Diese Bergregion ist rund 200 Kilometer nördlich von Kapstadt entfernt. Die Pflanze, die ursprünglich wild wuchs und später kultiviert wurde, zählt zu den Fynbos-Gewächsen. In den Bergregionen findet die äußerst widerstandsfähige Pflanze die optimalen Wachstumsbedingungen mit heißen Sommern, regnerischen Wintern und einem sandigen und mineralhaltigen Boden.

Rooibos gehört zu den einzigartigen Fynbos-Pflanzen in Südafrika
Rooibos gehört zu den einzigartigen Fynbos-Pflanzen in Südafrika

Der Name „Rooibos“ setzt sich aus den Begriffen „Rooi“, was für die Farbe „Rot“ steht und „bos“, was als „Busch“ bezeichnet wird, zusammen. Die rot-braune Farbe entsteht erst durch einen mehrstufigen Fermentierungsprozess, bei dem sich die grün geernteten Blätter nach Stunden in ihre signifikante rote Farbe verwandeln.


Höchste Rooibos Konzentration in den Zederbergen

Das Gebiet um die Zederberge herum, hat nach Angaben der Naturschutzorganisation „Conservation South Africa“ die höchste Konzentration von Pflanzenarten auf der ganzen Welt. Der südamerikanische Regenwald habe im Vergleich dazu, nur Eindrittel der Artenzahl und rund 70 Prozent der 9.600 Pflanzen würden sonst nirgends, sondern nur hier am Kap wachsen. Dazu zählt auch der Rooibos-Strauch.

Wie wird die Pflanze angebaut und wann wird geerntet?

Der Rooibos, der auch als „Buschmannstee“ bezeichnet wird und die Buschmänner diesen gesunden Tee sehr schätzen, wird von Dezember bis April von Hand geerntet. Ein typischer Erntetag beginnt auf vielen Farmen bereits in den frühen Morgenstunden und dauert über mehrere Stunden. Ein Erntehelfer schafft im Durchschnitt 400 bis 600 Kilo am Tag.

Dabei wird der Busch mit einer Sichel auf 30 cm gekürzt. Die Zweige werden dann maschinell in 1,5 bis 5mm große Stücke zerkleinert. Die Farmer säen im Februar und März aus und pflanzen im Juli die neuen Keimlinge. Damit ein Strauch geerntet werden kann, muss er zwischen zwölf und 15 Monaten alt sein. Dann wird er circa fünf Jahre lang geerntet und dann gerodet bzw. durch neue Keimlinge oder eine neue Aussaat ersetzt.

Fotos: SA-Rooibos Council


Die Rooibos-Pflanze trägt kleine gelbe Blüten, die schließlich in Samen aufgehen. Diese werden gesammelt, in dem man buchstäblich die oberste Schicht der Erde um die Pflanze herum zusammenkratzt. Diese „Samenerde“ wird zunächst gesiebt, um den groben Sand zu entfernen. Dann wird sie erneut gesiebt, aber diesmal unter Wasser, damit die Rooibos-Samen noch oben schwimmen. Von dort aus, werden die Samen, die eine harte äußere Schale haben, einem Reibeprozess unterzogen. Dieses Verfahren wird Vertikutierung genannt und gemacht, um die Keimung zu fördern.

Das Saatgut wird dann gepflanzt, so dass die Setzlinge zwischen Februar und Anfang Juni aufgezogen werden. Die Setzlinge brauchen dann circa einen Monat, um sich auf der Plantage in der neuen Erde einzuleben. Obwohl die Pflanze sehr widerstandsfähig ist, sollte sie bis Ende August gepflanzt werden. Damit die Setzlinge es schaffe, müssen die Bauern in dieser Zeit besonders darauf achten, dass keine Schädlinge oder Unkraut den jungen Rooibos-Pflanzen schadet.


Der Rooibos- Fermentierungsprozess

Die vorher maschinell verkleinerten Zweige werden, um den Fermentierungsprozess in Gang zu setzen, bewässert und im Laufe des Tages getrocknet. Während es Prozesses färbt sich der Tee rot und entwickelt seinen charakteristischen Geschmack. Wichtig dabei ist allerdings die Temperatur. Ist sie zu niedrig, bildet sich das Aroma nur sehr schwach aus. Ist sie aber zu hoch, kann es später beim Trinken zu einem sauren Beigeschmack kommen. Damit er von Verunreinigungen befreit wird, muss er mittels einer sogenannten Dampfpasteurisierung für einige Minuten über Heißluftbecken getrocknet werden. Anschließend wird der Tee für den weiteren Transport verpackt.


Fotos: SA Rooibos Council


Inhaltsstoffe und Wirkung Rooibos Tee

Rooibos Tee hat den Ruf, viele Mineralstoffe zu enthalten.

Rooibos wird vor allem zu Tee verarbeitet und bietet die perfekte Alternative zu Kaffee, denn es enthält, anders als andere Teesorten wie Schwarztee, kein Koffein. Daher eignet er sich auch gut für Schwangere und Kinder. Außerdem ist die Pflanze frei von Kilojoule, also Kalorien, so dass der Tee das perfekte Getränk für alle ist, die eine Diät machen möchten.

Da die Pflanze auf nährstoffreichem Boden wächst, enthält sie selbst auch viele Nährstoffe und Spurenelemente, wie zum Beispiel:

  • Calcium

  • Magnesium

  • Zink

  • Natrium

  • Kupfer

Dadurch, dass der Tee kein Koffein enthält, eignet er sich beispielsweise gut für Schlafstörungen, zur Stärkung des Immunsystems, bei Gicht, Asthma, Heuschnupfen, Diabetes, Entzündungen oder zur Stabilisierung von Blutgefäße.


"Rooibos ist zwar kein Medikament, aber ein erschwingliches Getränk mit potenziell gesundheitsfördernden Eigenschaften“, sagt Dr. Jeanine Marnewick, Cape Peninsula University of Technology.


Man sagt dem Tee auch nach, dass er durch gewisse Substanzen, die Stimmung hebt. Häufig wird der Tee mit anderen Geschmacksrichtungen wie Vanille, Kirsche oder Karamell kombiniert. Wer einen besonders guten Tee haben will, sollte besser auf ein etwas teureres Bio-Produkt zurückgreifen, da es frei ist von jeglichen Pestiziden ist und wenig bis gar kein zusätzlicher Zucker enthält.



Was kann ich aus der Pflanze alles machen?

Die Pflanze eignet sich aber längst nicht nur als Tee oder Eistee. Sie wird zum Beispiel auch zum Backen verwendet, unter anderem für Kuchen, Kekse oder als Aroma für Brote. Man kann sie auch als Zusatz für Desserts nutzen oder sie mit Speiseeis verarbeiten. Beliebt ist sie auch als Zusatz in Putsch oder Glühwein. Inzwischen gibt es Ginsorten, die mit Rooibos angereichert sind oder es werden, ähnlich wie mit Lavendel oder Aloe Vera, Kosmetikprodukte wie Seifen, Shampoo, Hautcremes und Duschgel hergestellt. Auch als Nahrungsergänzungsmittel wird es verwendet.


Geschichte der Pflanze und des Tees

Die Geschichte der Pflanze, die den wissenschaftlichen Namen „Aspalathus linearis“ trägt, geht auf den russischen Einwanderer Benjamin Ginsberg in das Jahr 1904 zurück. Als er sah, dass Ureinwohner, aus den Zweigen der Pflanze einen Aufguss bereiteten, entwickelte er ebenfalls eine Liebe zu dem aromatischen Heißgetränk. Da es ihm selbst so gut schmeckte, führte er den ersten Teehandel am Kap ein, die Popularität wuchs und das Interesse weltweit stieg. Einige Jahre später in den 1930er-Jahren, entwickelte der Arzt und Botaniker Peter le Fras Notier, Methoden, um die Pflanze zu kultivieren. Er gilt heute als der „Vater des Rooibos.“


Während des Zweiten Weltkriegs war es fast unmöglich, Tee aus asiatischen Ländern zu importieren, so dass Rooibos in die ganze Welt verschifft wurde. Die Knappheit der Pflanzensamen bedeutet jedoch, dass er teuer war, und die Nachfrage erhöhte die Kosten weiter. Das machte es für viele schwierig, ihn zu kaufen. Erst in der

jüngeren Geschichte hat sich dieser Umstand geändert. Heutzutage ist er

preislich wieder erschwinglich geworden.


Heißer Tipp: Statt eines klassischen Cappuccino kannst du einfach mal einen „Red Cappuccino" bestellen. Der Trend, den Rooibos-Tee wie einen Expresso zubereitet, ist nach wie vor beliebt. Die beste Zeit, um eine Rooibos-Farm zu besuchen, ist der Spätsommer bzw. Frühherbst, wenn die Ernte von Februar bis April im vollen Gange ist und die Besucher so einen Einblick in die Entstehung des Tees gewinnen können.

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