• Ida Katnic

Theatermacher Mandisi und sein Khayelitsha

Aktualisiert: Juli 29

Der Familienvater und Künstler Mandisi Sindo will in Kapstadts größtem Township was bewegen


„Ich tue das, was mir ein gutes und besonderes Gefühl gibt“, sagt Mandisi Sindo. Der 31-Jährige betreibt in Kapstadts größtem Township das „KASI RC Shack Art School & Theatre“, unterrichtet Kinder und Jugendliche im Schauspiel und moderiert ehrenamtlich beim Radiosender „Khaltsha 97.1.“ Sein Name, erzählt der meistens gut gelaunte Familienvater, bedeute auf Xhosa, „ausdehnen.“ Und genau das versucht er auch. Sein Ziel: Seine Leidenschaft für die Kunst auf andere „auszudehnen“ bzw. zu übertragen. Khayelitsha liegt rund 30 Kilometer von der Kapstädter Innenstadt entfernt, auf Xhosa bedeutet es „Neue Heimat“ und auf einer Fläche von rund 38 Quadratmetern leben rund 400.000 Menschen. Jetzt zu Corona-Zeiten steht das Theater still, aber die Kinder, die er unterrichtet, liegen ihm weiterhin am Herzen. Und so kocht Mandisi mit seiner Frau Suppe für sie und die Gemeinde und hilft bei Lernprogrammen.


Seine Jugend in Khayelitsha

Mandisi Sindo lacht viel, ist meistens gut gelaunt und hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen. Er wurde am Ostkap geboren und ist 1994 nach dem Tod seiner Oma nach Khayelitsha gekommen. Hier ist er mit seinen beiden Geschwistern bei seiner Mutter in einer kleinen Vier-Zimmer-Hütte aufgewachsen, in der es, wie er selbst erzählt, bei Regen geleckt und im Winter kalt war, weil sie nicht isoliert war. Seine Mutter hatte wenig Zeit, weil sie viel und hart gearbeitet hat, so dass er von seiner Tante und der anderen Oma erzogen wurde. „Aber in all dem, was wir im Township erlebten, machte uns die Liebe, die wir von unseren alleinerziehenden Müttern erhielten, zu dem, was wir heute sind. Sie machte uns stark für unsere eigenen Familien“, erzählt Mandisi. Seinen eigenen Kindern, der vierjährigen Tochter und dem neunjährigen Sohn, gibt er heute mit, dass sie hart arbeiten und das Leben anderer verändern sollen.

Mandisi Sindo vor seinem Theater in Khayelitsha

Die Leidenschaft fürs Theaterspielen

Das Talent fürs Schauspielern habe er mit neun Jahren entdeckt, als er sich bei der „Young Performers Theatre Group“ des Künstlers Zimasa May ausprobierte. „Im Township aufzuwachsen, war nicht so einfach. Meistens probten wir in einem winzigen Raum und irgendwann wurden wir wegen anderen Veranstaltungen hier rausgeschmissen. Als junge Leute hatten wir nie Priorität, zum Beispiel den ganzen Gemeindesaal zu bekommen und unsere Kunst zu praktizieren“, schildert der 31-Jährige. 2002 gründet er selbst eine Theater-gruppe mit den Namen „Iselwa Theatre Company.“ Die Gruppe produzierte Stücke für das Artscape Theater, Baxter und das Market Theatre. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wusste Mandisi, wo sein Weg ihn hinführt. Der junge Mann studierte an der University of Cape Town, Theater mit den Schwerpunkten „Community Theatre Practice“ und „Performance Art“, was er 2001 abgeschlossen hat. Hier merkte er, wie einfach es für die Dozenten war, an passende Räume und das entsprechende Equipment heranzukommen und von da an, hatte ihn der unbändige Ehrgeiz gepackt, selbst ein Theater im Township zu gründen.


Der Traum vom eigenen Theater wird wahr

Gesagt, getan. 2002 baut und eröffnet er das „KASI RC Shack Art School & Theatre“ in Khayelitsha. „Hier werden täglich mehr als 88 junge Menschen im Alter von zehn bis 27 Jahren in Theater, Musik, Poesie und Tanz geschult“, erzählt Mandisi. Die Zusammensetzung der Teilnehmer sei ganz unterschiedlich. Manche seien im technischen Bereich bei „Gear-House South Africa“ tätig, einem technischen Lieferanten für den Live-Event-Bereich, andere studieren Theaterwissenschaften an der Universität und andere wiederrum, würden in ähnlichen Bereichen arbeiten. Es kämen auch arbeitslose Jugendliche her, denen es helfen soll, so eine Möglichkeit zu bekommen, in die Branche reinzukommen.

„Ich habe das Shack Theatre eröffnet, um Hoffnung zu verbreiten. Ich lehre diese jungen schwarzen Künstler, selbstständig, unabhängig und stark zu werden und sich in diesem Sektor zu behaupten“, erzählt der Künstler. Im Theater fänden auch Aufführungen statt, die offen für Besucher seien. Seit dem 13. März 2020 sei das Theater aber aufgrund von Corona geschlossen.


Schnelle Hilfe mit KASI Creative Kitchen

„Wenige Tage nachdem das Theater geschlossen hatte, kamen die Kinder einfach zu uns nach Hause. Sie kamen ohne Grund, beklagten sich aber über Hunger. Es war eine Katastrophe und traurig, die hungernden Kinder zu sehen, bis meine Frau Liso beschloss, eine Suppenküche zu eröffnen und für unsere Theaterkinder zu kochen“, erzählt Mandisi. Erst nur für die Kinder, dann auch für den Rest der Gemeinde. Das Projekt nennt er Kasi Creative Kitchen. „Gegenwärtig kochen wir dreimal in der Woche für mehr als 350 Menschen, verteilen Essenspakete, Masken und

Desinfektionsmittel. Die Sachen kommen von der Ruben Richards Foundation“, erzählt Mandisi. Motion Billy, ein Filmemacher zeigt, wie aus dem Theater eine Suppenküche wird und stellt die Videos auf YouTube.


Mandisi und seine Frau helfen nicht nur mit Suppe. Sie unterstützen die Kinder bei der Schularbeit, den Hausaufgaben und helfen ihnen, ihr Englisch zu verbessern.


Corona-Lage und Stimmung in Khayelitsha

Der leidenschaftliche Künstler und zweifacher Familienvater ist von der Lage in Khayelitsha betroffen und wütend auf die Regierung, die seiner Meinung zu wenig unternimmt. „Sie hat nie eines dieser Programme finanziert. Auch nicht gute Initiativen, die in den Townships stattfinden“, sagt er. Die aktuelle Situation, berichtet Mandisi, würde alle betreffen, ob Jung oder Alt. Als zu Anfang der Corona-Pandemie der erste Fall in Khayelitsha bekannt geworden sei, habe das alle erstmal in Panik versetzt und viele hätten sich auf sich besonnen. „Die Schulen sind geschlossen, die Eltern arbeiten nicht und es fehlt an warmer Kleidung für den Winter“, schildert er seine Eindrücke. Seiner Meinung nach, könne die Lage viel schlimmer werden, da das Western Cape das Epizentrum der Pandemie sei. „Die Armut führt außerdem dazu, dass sich das Virus weiter ausbreitet, weil die Menschen nach Nahrung und anderen Dingen suchen, die sie nicht haben, aber benötigen“, sagt er. Viele hätten aufgegeben und der Hunger nach Hilfe sei groß.

Als sogenannter "Artivist" versucht Mandisi aus negativer Energie irgendwie positives zu erschaffen. Auch jetzt wo das Theater für Aufführungen geschlossen ist, bietet das KASI RC Shack Theater Hoffnung auf bessere Zeiten.

Heißer Tipp: Lass dich von der Kunst und Mandisis Energie inspirieren. Schau dir z.B. Auftritte des Chors auf den Sozialen Medien des Theaters an. Youtube, Facebook, Instagram und Twitter.


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© 2020 by Hanni Heinrich.

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