Begegnungen im Township - aber bitte verantwortungsvoll

Die Townships in den südafrikanischen Metropolen um Kapstadt und Johannesburg sind weitaus mehr als nur Wellblechhütten. Heute gibt dort schöne Viertel, Shoppingmalls und Restaurants. Viele Townships haben sich zu spannenden Orten mit eigener Kultur gemausert.


Früher haben einschlägige Reiseführer vor Township-Besuchen gewarnt. Trotz aller Gefahren übte das Elend und die unvorstellbaren Lebensumstände aber auch eine große Anziehungskraft auf Besucher aus. Daraufhin entstanden Touren, denn viele Reisende wollten neben ihrem Luxusurlaub auch über den Tellerrand blicken und das "echte" Südafrika kennenlernen.


Heutzutage gibt es zahlreiche Township-Touren in Kapstadt, Johannesburg und Durban - von Rundgängen über Grillfeste bis hin zum Restaurantbesuch oder der Übernachtung im Gästehaus.

Oftmals sind die Touren geführt, mit Kleinbussen, zu Fuß, oder per Fahrrad. Wir raten von Touren bzw. Stadtrundfahrten in Reisebussen ab, denn das hat den Geschmack einer ‘Armutssafari’. Wir wollen Dich ermutigen diese Touren als Begegnungen zu sehen, um mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen und zu interagieren. Es soll um einen Austausch gehen und nicht um eine reine Besichtigungstour wie im Zoo.

Die Township-Bewohner sollten bei einer Tour mindestens in irgendeiner Weise zu Wort kommen und von den Besuchern profitieren können, etwa durch Touren, die direkt von unabhängigen Besucherführern aus den jeweiligen Townships organisiert werden. Mit solchen Führungen werden oftmals soziale Projekte in den Vierteln finanziert und der Tourist kann den Unterstützungs-Aspekt in den Vordergrund stellen.

Kleine Gruppen empfehlen wir auch, da so der Kontakt zu den Menschen vor Ort direkter ist.


Für die, die noch nicht wissen, worüber wir hier sprechen: Townships sind Siedlungen, die teilweise Ausmaße von mittleren und größeren Städten besitzen, in denen eine überwiegend schwarze und farbige Bevölkerung - meist in Holz- und Wellblechhütten - lebt. Entstanden sind diese Townships als Teil der „idealen Apartheidsstadt“, in der alle Rassen durch physische Barrieren getrennt wurden. In den 1950er bis 1970er Jahren wurden unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Südafrika verschiedene Siedlungsgebiete, auch Homelands genannt, zugewiesen. Doch auch nach Ende der Apartheid ist der Unterschied zwischen Arm und Reich noch deutlich zu spüren und die Einwohner sind natürlich nicht Hals über Kopf aufgebrochen und in andere Viertel gezogen. Südafrikas Townships verdeutlichen diese klaffende Wunde, die noch verheilen muss.

Soweto bei Johannesburg und Khayelitsha bei Kapstadt


Respektvolle Begegnungen statt Glotz-Touren

Wir finden es sehr wichtig, dass eine Begegnung im Township auf verantwortungs- und respektvolle Weise gemacht wird und empfehlen Interessierten, sich vor Ort einen kleineren Veranstalter mit einheimischen Guides zu suchen.

Wir stellen Dir drei Townships - Khayelitsha, Langa und Soweto vor, in denen Du Aktivitäten wie Fahrrad-Touren, ein Gangster-Museum oder Bungee-Jumping unternehmen kannst.


Besuche Khayelitsha

Eines der wohl größten Townships in Südafrika ist Khayelitsha. Der Name ist Xhosa und bedeutet „Neue Heimat.“ In Khayelitsha, rund 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, leben mehr als eine halbe Million Menschen. Die genaue Einwohnerzahl ist unbekannt, da in dem lebhaften Ort ständig Menschen zu- oder wegziehen.


Im Gangstermuseum

In Khayelitsha steht das „18 Gangster Museum.“ Es ist wohl das erste dieser Art in Afrika. Es wird von ehemaligen Straftätern geführt und dient neben seiner Funktion als Museum dazu, Jugendliche im Township abzuschrecken, selbst auf die schiefe Bahn zu geraten. Die Männer berichten über ihre Erfahrungen im Gangstertum und im Gefängnis und wie sie diese Zeit in ihrem Leben verändert hat. Beim Besuch des Gangstermuseums im größten Township Kapstadts, erleben die Besucher die kulturellen, historischen und wirtschaftlichen Aspekte dieses Bezirks. Es zeigt Bilder und Texte und der Besucher erhält die Möglichkeit, sich eine nachgebaute Gefängniszelle von innen anzuschauen. Mehr Informationen dazu auf www.18gm.co.za


Ehemalige Straftäter führen durch das Museum und unterstützen Jugendliunterstützen, der im Bereich Jugendhilfe, Kriminalprävention und Opferhilfeche
Das Museum unterstützt auch Jugendliche im Bereich Jugendhilfe, Kriminalprävention und Opferhilfe.

Mache eine Fahrrad-Tour oder jogge

Wie wäre es mit einer Fahrrad-Tour durch Khayelitsha? Oder willst du lieber joggen? Ob per Rad oder flott mit Turnschuh unterwegs, Besucher haben mit diesem Anbieter die Möglichkeit, Khayelitsha hautnah zu erleben, an verschiedenen Stationen Halt zu machen, die lokale Küche zu probieren, sich mit Unternehmern und Einwohnern zu unterhalten oder mehr über die Entstehung, die Zusammensetzung und Kultur der unterschiedlichen Menschen hier zu erfahren.

Seit nunmehr sechs Jahren bietet ABCD-Concepts verschiedene Touren zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder aber auch als Führung durch das spannende Nachtleben in Khayelitsha an. Grundpfeiler sind die Idee, dass die Besucher ein Teil der „People-to-Hosts“-Erfahrung werden und mit den Einheimischen und deren Lebenswelt in Kontakt kommen.

Tourguide mit Besuchern auf Rad-Tour durch Khayelitsha. Fotos: ABCD-Concepts


„Bei unseren Touren geht es darum, die Schönheit der Townships zu zeigen“, sagte der Gründer von ABCD-Concepts, Ayanda Cuba.


Lerne Khayelitsha auf sportliche Weise kennen. Foto: ABCD- Concepts


Die Touren seien, erklärt Cuba, ein Spiegelbild des Lebensstils der Gemeinden dort.

Sie sollen zeigen, dass in den Townships immer wieder neue unternehmerische Kultur entsteht. Bei den Touren hätten sie schon Gäste, unter anderem aus China, Brasilien, Kanada und Deutschland gegrüßt. Durch die Tour wollten sie eine andere Seite Südafrikas kennen lernen. Mehr Infos auf www.abcd-concepts.co.za/about


Besuche Langa

Das Township Langa, das auf Xhosa übersetzt so viel wie „Sonne“ heißt, gilt als eines der ältesten Townships Südafrikas. Es soll Mitte der 1920er Jahre entstanden sein und beherbergt heute rund 50.000 Einwohner, wobei auch hier die Zahlen schwanken.


Spaziergang durch das Township

Seit 15 Jahren bietet Camissa-Travel geführte Touren durch das Township Langa an. Der Gründer und Geschäftsführer Khonaye Suswa hat selbst in Langa gelebt und Freunde und Familie dort. Langa ist also sein zu Hause. Nach Abschluss seiner Ausbildung zum Reiseleiter, hat er das Unternehmen gegründet. Da er damals unter 35 Jahre alt war, wurde es über eine Jugendförderung und die Regierung gefördert. Mit dem Geld mietete er erst einen Minibus und als es gut lief, kauften er sich einen eigenen.



„Bei den Touren geht es um die Menschen, ihr Leben, ihre täglichen Aktivitäten, soziale Missstände und wie die von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) angegangen werden“, sagt Khonaye Tuswa. Finde mehr auf www.gocamissa.co.za


Kunst- und Kulturzentrum Guga S'Thebe

Schon von weitem strahlt das bunte Gebäude Besucher an, so als würde es jeden, der nach Lange kommt anlächeln. Dekoriert mit polychromatischen keramischen Wandmalereien, ist dies eines der wahrscheinlich beeindruckendsten Gebäude eines Townships: Guga S’Thebe.

Das Kunst- und Kulturzentrum entstand durch eine Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Aachen und diversen Spenden. Jetzt ist das bunte Gebäude mit Spielplatz Mittelpunkt von Langa und lockt mittlerweile internationale TV-Teams an, die über diese Einrichtung berichten. Guga S'Thebe ist Xhosa Begriff und bedeutet soviel wie: Gemeinsam von einem Teller essen. Und Gemeinschaft wird im Guga S'Thebe praktiziert. Hier gibt es eine Art Co-working Space mit kostenlosem WLAN, gerne genutzt von Schülern und Studenten. In den Atelies des Kulturzentrums arbeiten Maler, Mosaikexperten, Bastler und Töpfer.

Die Produkte werden im Shop im Eingangsbereich hauptsächlich an Besucher verkauft. So wird ein Teil der lokalen Talente und Arbeitsplätze gefördert.

Ballett, Yoga wird für alle aus Langa angeboten und wer trommeln lernen will ist hier auch richtig. Dazu gibt es auch noch richtig guten Kaffee im Kaffa Hoist im Hinterhof.

Guga S'Thebe zieht gleichermaßen Kinder, Jugendliche, Künstler und Touristen an und bietet Musik-, Tanz- und Theateraktivitäten, sowie kunsthandwerkliche Workshops. Theater- und Tanzaufführungen finden regelmäßig statt und wer selber eine Party oder ein Event planen will, kann das Zentrum pro Tag mieten, Security und Putzfrau inklusive. Mehr Infos unter: http://ctuat.co.za/listing/guga-sthebe-visitors-center/


Kulturzentrum Guga S'Thebe in Langa Foto: Jana Revedin
Kulturzentrum Guga S'Thebe in Langa Foto: Jana Revedin

Besuche Soweto bei Johannesburg

Das Township Soweto liegt rund 28 Kilometer von Johannesburg entfernt und gehört damit zur Provinz Gauteng. In Soweto leben über eine Million Menschen, wobei man die genaue Zahl auch hier nicht sagen kann. Durch den Studentenaufstand im Jahre 1976 ist es zum Symbol des Widerstands gegen die Apartheid geworden. Die beiden Friedensnobelpreisträger, der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela und der ehemalige Erzbischof Kapstadts, Desmond Tutu haben hier einige Jahre gelebt. Soweto war von 1983 bis 2002 eine eigene Stadt. Heute gehört sie zum Großraum Johannesburg.


Nelson Mandela Wohnhaus

Das eher unscheinbar wirkende Haus in der Vilakazi Street 8114, war einst das Wohnhaus des ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela. Er lebte hier von 1946 bis 1962. Das Haus kann heute mit den Originalmöbeln von damals besichtigt werden. In dem Haus, das seit Ende der 1990er-Jahre der Öffentlichkeit zugänglich ist, gibt es Fotos und Dokumente von Mandela zu bestaunen und es gilt seit 1999 als „Nationaldenkmal.“

Mehr Informationen bei www.mandelahouse.com

Mandela Haus Soweto
Mandela Haus Soweto

Erfahre mehr über die Apartheid im Hector Pieterson Museum

Zu Ehren des 12-jährigen Hector Pieterson, der beim Studentenaufstand am 12. Juni 1976 eins der ersten Opfer des friedlichen Marsches durch Soweto wurde, ist 1990 das Museum errichtet worden. Das Foto, wie er tot von einem seiner Mitschüler durch die Straßen getragen wird, wurde zum Symbol im Kampf gegen die Apartheid und ging um die Welt. An diesem Tag hat eine Gruppe von Schülern- und Studenten friedlich gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache protestiert. Der Marsch wurde gewaltvoll von der Polizei beendet. Einige wenige Schwarze sind gestorben, viele verletzt worden und einige verhaftet. Das Museum in der Khumalo Road in Bezirk Orlando West, zeigt eine Sammlung von Originaldokumenten, Bildern und mündlichen Zeugnissen des damaligen Aufstandes und zeichnet ein Bild der Ereignisse nach. Mehr auf www.gauteng.net/attractions/hector_pieterson_memorial_and_museum/


Besucher vor dem Hector Peterson Museum
Besucher vor Hector Pieterson Museum in Soweto

Craft Beer in der Ubuntu Kraal Brauerei probieren

Wie wäre es mit einem Abstecher zur „Ubuntu Kraal Brewery.“ Sie wurde im Jahr 2012 von Josef Schmid und Ndumiso M. Madlala gegründet. Bereits zwei Jahre später, floss hier das erste Bier mit dem Brand „Soweto Golden Lager“ aus den Zapfhähnen. Es war auch das erste Bier, das in einem südafrikanischen Township hergestellt wurde. Für Touristen werden regelmäßig Führungen durch die Brauerei, Bierverkostungen und Bier Pong angeboten. „Eine Führung dauert im Schnitt eine halbe Stunde“, erzählt der Eigentümer Josef Schmidt. Jetzt zu Corona sei es ruhiger und es verirre sich nur gelegentlich ein Besucher her, der Lust hätte, etwas zu probieren, erzählt er. Vor der Pandemie sei an den Wochenenden, wo auch Live-DJs gespielt haben, viel los gewesen.


„Die Gäste, die teilnehmen, kommen aus der ganzen Welt und unsere Brauerei ist eine beliebter Halt bei den Touristen, die eine Fahrrad-Tour durchs Township machen“, erzählt Josef Schmid.


Tour durch die Brauerei mit Braumeister Mandla


Danach lädt „The Ubuntu Kraal Beergarden“ dazu ein, ein paar der Biersorten der Brauerei zu testen, denn neben dem Original von damals, sind im Laufe der Jahre noch weitere hinzugekommen. Beliebt sind aromatisierte Gebräue mit Kirschgeschmack, Kaffeearomen und Zimt und Ingwer. Das „Golden Lager“ wurde übrigens zu den zehn besten Craft-Bieren Südafrikas gekürt. Mehr Infos dazu auf www.sowetobrewing.co.za


Bungee-Sprung von den Orlando-Türmen

Ganz Mutige können einen Sprung von den berühmten Orlando-Türmen wagen, die 1935 als Schornsteine für das Kraftwerk erbaut wurden. In neueren Zeiten wurde sie hübsch angemalt, um sie freundlicher aussehen zu lassen. Zwischen diesen beiden Türmen ist eine Hängebrücke gespannt, von wo aus man einen freien Fall aus 328 Metern ausüben kann. Es gibt auch die Möglichkeit, an der Außenseite der Türme die rund 82 Meter lange Kletterwand zu bestiegen. Wer es entspannter mag, kann den Ausblick von der Plattform, die über Treppen zu erreichen ist, von oben genießen oder sich weiter unten beim Paintball-Parcour ausprobieren.


Die ikonischen Türme sind heute Bunte Plattform Foto: Michael Schofield
Die ikonischen Türme sind heute Bunte Plattform Foto: Michael Schofield

„Von oben aus, haben die Besucher einen Ausblick auf Soweto und die umliegenden Gebiete, sowie das Mandela Haus, das in der Nähe ist“, erzählt Besitzer Nico Myburg.



Vor Corona, erzählt Nico Myburg, hätten sie mehrere Hundert Gäste – häufig internationale Besucher pro Wochenende gehabt. Heute seien es durch die Pandemie weniger als Hundert. Finde mehr auf www.sowetotowers.co.za/bungee-jump/


Heißer Tipp: Verpasse keine dieser coolen MUST DOs in Kapstadt.


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