• Ida Katnic

Freiwilligenarbeit in Kapstadt

Aktualisiert: Juni 2

Wer sich sinnvoll in Südafrika engagieren möchte, stößt schnell auf Freiwilligenarbeit. Wir stellen dir vertrauenswürdige ehrenamtliche Engagements in Townships, Tier- und Umweltorganisationen & Co. in Kapstadt vor und erklären worauf du achten solltest.


Wer sich in Kapstadt ehrenamtlich – zum Beispiel im Rahmen eines Sabbaticals engagieren will, für den gibt es in der Mother City viele Freiwilligenprojekte. Vielerorts werden händeringend tatkräftige Helfer gesucht, - ob in einem Township, einem Tierheim, einer Umweltorganisation oder einem Wildtier Ressort. 


Es gibt einige Punkte, an denen du gute Organisationen von Freiwilligenarbeit erkennst. Vor Beginn solltest du erfragen, ob realistische Arbeitsziele für den Aufenthalt in Aussicht gestellt werden. Darüber hinaus sollte transparent kommuniziert werden, wie du als Freiwilligenhelfer vor Ort eingesetzt wirst und welche Mindestqualifikation du benötigst. 

Es gibt leider auch viele Betrüger, die hohe Teilnahmegebühren kassieren und im schlimmsten Fall nie wieder von sich hören lassen. Hellhörig solltest du auch werden, wenn versprochen wird, das Leben eines Kindes in nur zwei Wochen nachhaltig zum Guten zu verändern. Das ist natürlich nicht möglich.


Der Hauptnutzen guter Freiwilligenarbeit liegt nicht darin, was man im Land tut, sondern was daraus entsteht. Wenn du durch deine Freiwilligenarbeit die Zusammenhänge zwischen dem Leben in Südafrika und deinem Heimatland kennenlernst, dann ist der eigene Aufenthalt der Beginn eines dauerhaften Engagements.


Als Freiwilligenhelfer lernt du Südafrika und die Menschen von einer ganz anderen Perspektive kennen und du kommst dort hin, wo sich sonst kein Tourist hin verirrt.  


Mit HOPE Cape Town Kindern in Townships helfen

Wer sich sozial engagieren möchte, kann das über die HOPE Kapstadt Stiftung tun. Sie wurde 2001, unter anderem von dem deutschen Pfarrer Stefan Hippler ins Leben gerufen. Mit dem Projekt will er das Leid der Menschen in den Townships lindern, Perspektiven aus der Armut schaffen. Darüber hinaus helfen Mitarbeiter in Krankenhäusern bei der Behandlung von HIV und Tuberkulose mit. In der Stiftung werden regelmäßig Volunteering-Plätze angeboten. 



Freiwilligenhelferin Lisa Siewert in Kapstadt

Zwei Monate lang, hat die 27-jährige Fernsehjournalistin Lisa Siewert bei HOPE Cape Town hospitiert und ihren Freiwilligen im Projekt „Blikkiesdorp“ gemacht. Schon immer wollte sie sowas mal ausprobieren, dabei gibt sie zu, „ich bin überhaupt kein Abenteuermensch. Ich habe noch nie Backpacking gemacht und war noch nicht mal auf einem Festival.“ Dennoch hat sie sich im Dezember 2019 auf das große Vagus Südafrika eingelassen. Das Land kannte sie vorher nicht. 


In dem Projekt „Blikkiesdop“, das seit 2013 existiert und komplett über Spenden finanziert wird, hat sie bei der Kinderbetreuung mitgewirkt. Das Township 

„Blikkesdop“ liegt circa 50 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Sein Name heißt frei übersetzt „Blechbüchsendorf“, da die meisten Häuser dort aus Blech bestehen. Die Stiftung hat Container als eine Art Behilfsunterkunft aufgestellt. Darin werden morgens die Kindergartenkinder mit Maisbrei versorgt, die die Köchin Stacy frisch zubereitet hat. Dann folgen Lernübungen, Tänze und Musik. Wenn am Nachmittag die Schulkinder kommen, helfen Lisa Siewert und die Ande-ren bei den Hausaufgaben. Dazwischen unterstützt die Sozialarbeiterin Maria van Blerk die Eltern beim Ausfüllen von Formularen, wenn zum Beispiel zum Schulbe-ginn die notwendige Geburtsurkunde fehlt und dringend organisiert werden muss. 

„Für mich war die Zeit als Freiwillige unbezahlbar."

„Für mich war die Zeit als Freiwillige unbezahlbar. Ich habe Südafrika von einer ganz anderen Seite kennen lernen können, wie sie Urlauber sonst nicht erleben. Mein eigenes Weltbild hat sich komplett auf den Kopf gestellt. Ich bin viel dankbarer als früher.“


Voraussetzung  

Wer im Rahmen eines Freiwilligendienstes bei HOPE Cape Town mitarbeiten möchte – ob in dem Township oder im Krankenhaus, muss mindestens 18 Jahre alt sein, gute Englischkenntnisse mitbringen und ein Führungszeugnis vorlegen. Darüber hinaus, findet ein anspruchsvolles Auswahlverfahren mit Skype-Interview statt, in der der Bewerber seine Beweggründe schildert. Informationen gibt es auf der HOPE Homepage.


Lern- und Sportprogramme für benachteiligte Jugendliche und Familien

Die 2013 gegründete und gemeinnützige Organisation „9Miles Project“ kümmert sich um gefährdete Jugendliche.  Die Organisation bietet strukturierte After-school-Programme – unter anderem Surf-Therapien, Ernährungs- und Alphabe-tisierungsprogramme und Kunst- und Musiktherapie an. Zusätzlich werden kostenlose Mahlzeiten angeboten. Sie betreut die Gebiete in und um Kapstadt, Elands Bay und Sankt Francis Bay.


9Miles bietet auch Kunst- und Musiktherapie an

„Die Freiwilligen sind äußerst wichtig, weil sie nicht nur ein zusätzliches Paar Hände sind, sondern auch den Horizont der Kinder erweitern, indem sie ihre Kultur oder Lebenserfahrungen weitergeben und ihre Fähigkeiten mit einbringen“, sagt Carmen Davids , Leiterin der Abteilung Fundraising und Kommunikation. Im Durchschnitt hätten sie zu den lokalen Helfern noch 5 internationale Freiwillige, die in der Regel aus Deutschland, Brasilien, den USA kämen und ein bis drei Monate blieben.


"Ich bin so dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte und so dankbar für die Kinder und die 9Miles-Mitarbeiter. 9Miles hat mein Leben verändert“, sagt Renata aus Brasilien.



Voraussetzung

Um beim „9Miles Project“ mitzuarbeiten, muss der Bewerber mindestens 18 Jahre alt sein, gute Englischkenntnisse, gegebenfalls ein Visum und mindestens einen Monat Zeit mitbringen. Darüber hinaus wird um eine Spende von R750 (umgerechnet circa 37 Euro) pro Woche gebeten, die den Jugend- und Gemeinde-programmen der Organisation zugutekommt. Dafür erhält der Helfer eine kostenlose Surfstunde pro Woche. Die Gründerin von 9Miles, Sher'Neil Savel, hat mit uns über die aktuelle Lage in den Townships gesprochen. Die Anmeldung erfolgt über ein google-Formular und das Auswahlverfahren über einen Videoanruf. Informationen gibt es auf der Homepage oder per Mail: info@9milesproject.org. 

Eine Freiwilligenhelferin liest Kindern vor

Verletzten Pinguinen helfen

Die Population der Brillenpinguine hat in den letzten Jahren stark abgenommen:  Weltweit gibt es weniger als 20.000 brütende Paare. Die Organisation SANCCOB betreibt in Table View, einem Vorort von Kapstadt, eine Wildtierrettungsstation.

SANCCOB pflegt Pinguine gesund

Auf dem Gelände mit vier Becken werden verletzte Pinguine und andere Seevögel wie Möwen und Kormorane, gesund gepflegt und danach wieder in die Freiheit ent-lassen. Ranger sind täglich im Einsatz, um verletzte Tiere aufzuspüren und zu retten. Täglich sind zwischen 15 und 24 freiwillige Helfer vor Ort, die unter anderem die vom Öl verschmutzen Pinguine säubern, sie füttern und die Gehege saubermachen. Die Brillenpinguine sind die einzigen heute noch in freier Wildbahn lebenden Pinguine Afrikas.


„Rund die Hälfte der ehrenamtlichen Helfer – ohne die das hier gar nicht zu bewerkstelligen wäre, kommt aus Deutschland, der Rest aus der ganzen Welt“, sagt Ronnis Daniels von der Pressestelle.

Hungrige Pinguine warten auf ihre Mahlzeit

Voraussetzung

Um bei der Wildtierorganisation ehrenamtlich mitzuarbeiten, ist ein Mindestalter von 18 Jahren und eine Dauer von mindestens sechs Wochen notwendig. Infor-mationen gibt es per Email an volunteers@sanccob.co.za und auf der SANCCOB Homepage.


Bäume pflanzen

Die Umweltorganisation „Greenpop“ mit Hauptsitz in Kapstadt, setzt sich dafür ein, Ökosysteme wiederherzustellen, Wälder wieder aufzuforsten und die Städte grüner zu machen. Ihr erklärtes Ziel ist es, bis 2025, 500.000 Bäume zu pflanzen. In den letzten zehn Jahren haben bei Greenpop schon mehr als 300 Praktikanten weltweit aus über 30 Ländern ehrenamtlich mitgearbeitet. 



„Die Zeit im Büro und draußen an verschiedenen Schulen und anderen Orten zu verbringen und tatsächlich Bäume zu pflanzen, fühlte sich unglaublich an. Ich würde jeden mit einer Leidenschaft für die Umwelt ermutigen, dass zu machen“, Praktikant August.

Praktikanten können in den Bereichen Kommunikation und Marketing, bei der Spendenbeschaffung und vor Ort bei der Entwicklung der städtischen Begrünungsprogramme mithelfen. 

„In den letzten zehn Jahren hat Greenpop etwas mehr als 300 Praktikanten aus über 30 verschiedenen Ländern aufgenommen. Das schafft eine wunderbare multikulturelle Dynamik im Team“, erzählt Direktorin Marleen Lammers. 



Voraussetzung

Wer bei Greenpop ein Praktikum machen möchte, sollte gute Englischkenntnisse, Interesse an Umwelt und mindestens acht Wochen Zeit mitbringen. Die Maximal-dauer des Freiwilligendienstes beträgt sechs Monate. Informationen gibt es auf der Greenpop Homepage unter "Internships".


Hilfe beim Renovieren oder der Betreuung von Straßenkindern 

Die gemeinnütze Organisation „The Homestead Projects for Street Children“ wurde 1982 ins Leben gerufen und kümmert sich um Straßenkinder in Kapstadt. Ihre Vision ist es, dass kein Kind auf den Straßen leben, arbeiten oder betteln muss, sondern in einer Gemeinschaft mit seiner Familie aufwächst. Sie unterstützt Projekte, unter anderen im Township Khayelitsha. „Die Freiwilligen, die bei uns arbeiten, kommen aus Südafrika selbst, aber auch aus europäischen Ländern wie Deutschland, Finnland und Dänemark“, erzählt die Einsatzleiterin Annie van Wyk.

„Freiwillige sind für die Organisation sehr wichtig“, betont Annie van Wyk. 


Voraussetzung

Um hier mitzuarbeiten, sind ein Mindestalter von 21 Jahren und gute Englischkennt-nisse erforderlich. Darüber hinaus, muss jeder Interessent zwei beglaubigte Kopien des Personalausweises und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Je nach Bereich, ist die Länge des Freiwilligendienstes unterschiedlich. Bei Renovierungs-arbeiten und Hilfe in der Verwaltung ist auch eine kurze Dauer möglich, bei der Arbeit mit Kindern mindestens sechs Monate Voraussetzung. Informationen gibt es per Email über info@homestead.org.za oder auf der Homepage.



Verwaisten Tieren helfen

Bei „TEARS Animal Resue“ werden Katzen und Hunde aus Haushalten herausgeholt, in denen die Besitzer sie nicht mehr versorgen oder sich einen Tierarztbesuch nicht leisten können. Die Organisation pflegt die Tiere gesund, entwurmt, impft und sterilisiert sie und vermittelt sie an neue Besitzer. Pro Jahr helfen bis zu 15 internationale Freiwillige dabei mit. „Die Helfer kommen überwiegend aus europäischen Ländern wie Deutschland oder Großbritannien, aber wir hatten aber auch schon welche aus den USA, Brasilien und Australien“, erzählt Marnie Steffny, die sich um die Volunteers kümmert. Neben dem Tierheim gibt es hier eine Tierklinik und einen Notfall-Einsatzwagen. In Höchst-zeiten sind hier bis zu 300 Katzen und Hunde untergebracht. Die Helfer sind vor-wiegend in der Tierstation im Einsatz. Bei einem entsprechenden veterinärmedizi-nischen Hintergrund ist auch eine Mitarbeit in der Tierklinik möglich. Sonst helfen die Freiwilligen beim Füttern, Gassi gehen und sind bei Spendenaktionen dabei.  TEARS Animal Rescue ist einer der führenden Tierschutzorganisationen des Landes. Sie wurde 1999 gegründet.


„Da wir nur ein kleines Mitarbeiterkontingent haben, sind wir stark auf Freiwillige- ob von hier oder dem Ausland angewiesen“, erzählt Marnie Steffny. 


TEARS pflegt die Tiere gesund

Voraussetzung

Neben der Liebe zu Tieren, sollten die Bewerber mindestens 16 Jahre alt sein und über gute Englischkenntnisse verfügen. Die Dauer des Freiwilligendienstes variiert von zwei Wochen bis drei Monaten. Die Vermittlung erfolgt über Agenturen wie African Impact, You2Africa und Good Hope Studies. Vor dem Einsatz mit den Tieren müssen die Freiwilligen an einer Orientierungssitzung teilnehmen. Weitere Informationen zum Programm gibt es bei volunteer@tears.org.za.


Heißer Tipp: Wenn du dich für ein Programm interessierst, solltest du dich möglichst früh um die Stelle bewerben. Am besten ein halbes bis ein Jahr im Voraus. Schreibe auch einen Motovationsbrief. Viele Organisationen wollen wissen, warum du freiwillig helfen willst.

© 2020 by Hanni Heinrich.

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