• Ida Katnic

Der Kampf zurück zur Normalität

Aktualisiert: Mai 29

Präsident Ramaphosa kündigt Stufe 3 und damit weitere Lockerungen an. Er mahnt, dass Rückstufung auf Level 4 nicht ausgeschlossen sei, wenn sich die Lage nicht verbessere.  


In kleinen Schritten bereitet sich Südafrika darauf vor, wieder aus der Isolation herauszukommen. Schon 60 Tage lang befindet sich das Land im Lockdown. Besonders die arme Bevölkerung leidet darunter. Seit dem 1. Mai in Level 4 der Ausgangssperre, war es den Menschen gestattet, zwischen 6 Uhr und 9 Uhr zum Joggen oder Gassi-gehen in einem Umkreis von 5km raus zu gehen. Außerdem haben mehr Industriezweige geöffnet und Liefer- und Bestelldienste sind erlaubt. Anfang Juni tastet sich Südafrika vorsichtig in die nächste Stufe, Level 3, und lockert weitere Restriktionen. Nach einem wochenlangen Alkoholverbot, soll der Alkoholkonsum für zu Hause wieder erlaubt sein. 


Level 3 - Was ab Montag, 1. Juni erlaubt ist

  • Die nächtliche Ausgangssperre wird aufgehoben.

  • Spazieren, trainieren, Gassi-gehen ist zu jeder Tageszeit erlaubt, allerdings nicht in Gruppen. (Wie groß oder wie klein eine Gruppe sein darf, wurde nicht deutlich gemacht.)

  • Alkohol darf nur für den Hausgebrauch an bestimmten Tagen zu bestimmten Uhrzeiten verkauft werden. 

  • Die gesamte verarbeitende Industrie, der Bergbau, das Baugewerbe, die Finanzdienstleistungen, die freiberuflichen und geschäftlichen Dienstleistungen, die Informationstechnologie, die Kommunikation, die Regierungsdienste und die Mediendienste werden wieder vollständig geöffnet.

  • Der Groß- und Einzelhandel wird vollständig geöffnet, einschließlich Läden, Imbissbuden und informelle Shops. Der elektronische Handel wird weiterhin offen bleiben.

  • Andere Sektoren, die bereits früher geöffnet wurden, wie Land- und Forstwirtschaft, Versorgungsbetriebe, medizinische Dienste, Lebensmittelproduktion und Herstellung von Hygieneprodukten, werden weiterhin vollständig geöffnet bleiben.

  • Gottesdienste und religiöse Beratungsdienste können unter Einhaltung bestimmter Auflagen öffnen.

  • Büros und Co-Working Spaces dürfen unter Einhaltung strikter Hygieneauflagen öffnen. Es wird ausdrücklich empfohlen, im Home Office zu arbeiten, sofern dies möglich ist. 

Allein oder zu zweit zu jeder Tageszeit rausgehen ist im Level 3 erlaubt

Was weiterhin verboten bleibt: 

  • Liebe Raucher, es tut uns leid. Der Verkauf von Tabakprodukten bleibt weiterhin verboten.

  • Alle Versammlungen, mit Ausnahme von Beerdigungen mit nicht mehr als 50 Personen oder Versammlungen am Arbeitsplatz bleiben verboten.

  • Alle für die Öffentlichkeit zugänglichen Orte, an denen kulturelle, sportliche, Unterhaltungs-, Freizeit-, Ausstellungs-, Organisations- oder ähnliche Aktivitäten stattfinden können, bleiben geschlossen.

  • Die nationalen Grenzen bleiben geschlossen, außer für den Transport von Waren und die Rückführung von Staatsangehörigen.

  • Social Distancing muss weiter praktiziert werden. Deshalb bleiben Restaurants und Bars geschlossen. Allerdings darf online Essen bestellt werden.  Lieferdienste boomen. 

  • Wann Inlandsflugreisen wahrgenommen werden können wird noch bekannt gegeben. 

  • Konferenzen, Veranstaltungen, Unterhaltung und sportliche Aktivitäten in Gruppen.


In seiner Ansprache an die Nation am Sonntag, dem 24. Mai, warnte der Präsident, davor, dass die Städte Tshwane, Johannesburg, Ekurhuleni, Ethekwini, Nelson Mandela Bay, Buffalo City und Kapstadt als "Coronavirus-Hotspots" identifiziert wurden. Eine Rückstufung auf Level 4 sei nicht ausgeschlossen, wenn sich die Lage in den Hotspots nicht verbessere.  


Kapstadt gilt als Corona-Hotspot

Kürzlich identifizierte die Regierung fünf Bereiche in Kapstadt als sogenannte „Corona Hot-Spots.“ Diese Bezirke sind Tygerberg, Khayelitsha, Klipfontein, Du Noon und Hout Bay. Sie gehe davon aus, dass es Beschäftigte im Dienstleistungssektor wie zum Beispiel im Einzelhandel sind und dass 90 % der infizierten Menschen keine oder nur leichte Symptome hätten. 


Der Maßnahmenkatalog

Der Maßnahmenkatalog umfasst im Wesentlichen die Bereiche der Erfassung von Kundendaten zur Nachverfolgung von möglichen Infektionswegen, der Distanzregeln und der Sanitäts- und Hygiene-Praktiken. Dazu gehört unter anderem, dass Risikogruppen abgeraten wird, Hotels, Lodges und B&Bs zu besuchen, das lokale Reisende auf den Autobahnen Buchungsbestätigungen mitführen müssen, dass jedes Unternehmen einen COVID-19-Beauftragten benennen soll, der kontrolliert, dass auch alle Maßnahmen eingehalten werden und dass genau nachverfolgt wird, woher ein Übernachtungsgast kommt und wohin er weiterreist. Auch soll beim Ein- und Auschecken die Temperatur des Gastes protokolliert werden.  


Südafrika ist ein Flickenteppich

Derzeit gibt es in Südafrika 23 615 an COVID-19-Infizierte und 481 Tote. Dabei ist die Westkap-Region mit 63,5 % der Gesamtzahl der Fälle am stärksten betroffen. Gefolgt von Gauteng und dem Ostkap mit jeweils 12 %. Laut dem Gesundheitsminister Zweli Mkhize habe man im ganzen Land die Infektion-Niveaus evaluiert und festgestellt, dass es große Unterschiede von Region und Region gebe. Er betonte auch, dass die Sterblichkeitsrate mit 1,8 % deutlich unter dem weltweiten Schnitt liege und die Erholungsrate mit 42,4 % ebenfalls deutlich darüber.


„In den kommenden Wochen kann es in verschiedenen Gebieten unterschiedliche Grade der Abriegelung geben“, sagt der Gesundheitsminister Zweli Mkhize. 


Verwundbarkeit macht solidarisch - viele Unternehmen spenden 

In den Armenvierteln Südafrikas wächst Frust und Verzweiflung. Eine hygienische Grundversorgung ist kaum möglich, Einkünfte bleiben aus. Deshalb leiden immer mehr Menschen an Hunger. Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen sind fatal und die ohnehin schon angespannte Lage droht weiter zu eskalieren. Dennoch gibt es Positives: große Staaten wie China und die USA zeigen sich äußerst hilfsbereit. Die US-Regierung hat Südafrika 1.000 Beatmungsgeräte gespendet, wovon bereits  50 eingetroffen und vom Gesundheitsminister in Empfang genommen worden sind. Schon im April hat der Handelspartner China dem Land 2,5 Tonnen Ausrüstung geschickt. Darunter Operationsmasken, Schutzkittel und Thermometer. Der internationale Pharmakonzern „AstraZeneca“ spendete 60.000 chirurgische Masken und 10.000 Blutdruckmessgeräte, der Versicherungskonzern „Old Mutual“ stockte seine Spende um fast eine Million Operations-Masken und Handschuhe auf und die Kirche „Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ spendete Schutzmaterial im Wert von mehr als 1 Million Dollar. Das medizinische Equipment, sagt Mkhize, solle im ganzen Land verteilt werden.  Erst vor wenigen Wochen sind 217 kubanische Mediziner in Südafrika eingetroffen, um das Land bei der Bekämpfung des Corona-Virus zu unterstützen. 


Die Welle der Solidarität reißt nicht ab


Die Initiative #Togetherforcapetown hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahresende 3.000.000 Mahlzeiten an bedürftige Kinder und Jugendliche in den Townships zu verteilen. Der Initiator ist der Unternehmer Philipp Hartmann aus Kapstadt. Zusammen mit dem Schweizer Verein UBUNTU und dem deutschen Verein MATCHBOX e.V. hat er sich zu der Spendenplattform TogetherForCapeTown.com zusammengeschlossen. 


Im Bierhaus auf der Long Street wird jetzt Suppe statt Bier gebraut.


Die Deutschen Guido Dierschke, Geschäftsführer des „Café Extrablatt“ und der Besitzer des „Beerhouses“ Randolf Jorberg kochen seit Wochen für Bedürftige in den Townships. Randolf Jorberg unterstützt die Organisation „Ladles of Love“ und kocht zweimal in der Woche bis zu 500 Liter Suppe. Vier bis fünf Mitarbeiter seiner Bierbar in der Longstreet helfen ihm. Nächste Woche kocht er von Tyger Valley aus für eine andere Community. 


„Bislang haben wir schon über 6.000 Liter Suppe, was ungefähr 18.000 Mahlzeiten entspricht gekocht“, sagt Jorberg.


Seit Anfang April wird auch im „Café Extrablatt“ in Green Point täglich 150 bis 300 Liter Suppe für Bedürftige und Obdachlose gekocht. Fünf bis sechs Mitarbeiter bereiten hier täglich das Essen vor, was dann von Locals in den Communities verteilt wird. 


Guido Dierschke vom Café Extrablatt und sein Team verteilt Essen an Bedürftige 



Hilfsorganisationen „HOPE Cape Town“ und das „9Miles Project“ sind ebenfalls dabei.  


„Wir servieren derzeit 1500 Mahlzeiten am Tag - Frühstück und Abendessen, an bedürftige Menschen in den informellen Siedlungen in Kapstadt und in Gegenden an der Westküste bei Elands Bay und am Ostkap bei St Francis Bay“, erzählt Carmen Davids der Kommunikationsabteilung vom „9Miles Project.“


Heißer Tipp: Du willst auch helfen? Unterstütze ein gemeinnütziges Projekt oder spende, wenn du kannst. Jede noch so kleine Hilfe zählt. Covid-19 macht uns alle verwundbar, und Verwundbarkeit macht solidarisch. Wir stellen auf unserer Seite auch Hilfsinitiativen und vertrauenswürdige Freiwilligendienste vor.

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© 2020 by Hanni Heinrich.

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